Aus dem Französischen von Christiane Seiler. Die Sprengung der Buddha-Statuen in Afghanistan durch die Taliban und der weltweite erbitterte Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen haben gezeigt, dass die Frage der Bilder im Islam "Sprengkraft" im wahrsten Sinne des Wortes enthält. Die Verbreitung von Ornamenten und Kalligraphien in Moscheen oder Koran-Ausgaben zeugt von einer bilderlosen Religion. Aber gibt es ein islamisches Bilderverbot? Silvia Naef fasst zusammen, was der Koran und andere islamische Quellen über Bilder sagen und welchen Stellenwert Bilder, Ornamente und Kalligraphien in unterschiedlichen Zeiten und Räumen im Islam hatten. Darüber hinaus zeigt sie, wie die moderne Kunst in islamischen Ländern und die Theologie auf die Bilderflut durch Werbung, politische Propaganda und Filme reagieren. Das Ergebnis des eindrucksvollen Überblicks ist überraschend: Es gibt kein generelles islamisches Bilderverbot. Kunst und populäre Kultur im Islam sind vielmehr reich an bildlichen Darstellungen - und selbst Mohammed-Portraits sind verbreitet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.09.2007
Rezensent Stefan Weidner schätzt dieses Buch der Islamwissenschaftlerin Silvia Naefs als wichtige Arbeit über die Haltung des Islam zum Bild. Ja, das Buch scheint ihm geradezu "unerlässlich" für jeden, der sich mit dieser Problematik "ernsthaft und sachgemäß" befassen wolle. Wohltuend findet er, dass sich die Autorin nicht mit einer neuen Großtheorie hervortun wolle, sondern die islamischen Quellen genau untersuche. Demnach könne von einem generellem Bilderverbot im Islam nicht die Rede sein, Bilder des Propheten und anderen Heiligen seien in vielen Religionen und zu vielen Zeiten weit verbreitet gewesen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel hierfür sieht der Rezensent in der islamischen Miniaturmalerei. Zu seinem Bedauern wird Naefs überblickshafte Darstellung der "Großartigkeit dieser Kunst" nicht wirklich gerecht. Deutlich wird Weidner aber, dass im gegenwärtigen Bilderstreit die Quellenlage und guten Sitten von beiden Seiten missachtet und für die eigenen Interessen instrumentalisiert würden.
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