Aus dem Polnischen von Karin Wolff. Edward Dębicki, Angehöriger der Polska Roma, erzählt im "Totenvogel" von seiner Kindheit und Jugend, von den glücklichen Jahren auf Wanderschaft - und vom Leid unter der deutschen Besatzung. Ohne Sentimentalität, mit dem nüchternen Blick eines Jungen, der das Schlimmste durchleben musste, berichtet er davon, um das Geschehene und die verlorenen Menschen
nicht dem Vergessen zu überlassen. Es entsteht das das seltene Bild einer Gemeinschaft, von der wenig nach außen tritt, und über deren Schicksal im Zweiten Weltkrieg es kaum Zeugnisse gibt.
Brigitte van Kann empfiehlt Edward Debickis anekdotisch erzählte Erinnerungen in der schnörkellosen Übersetzung von Karin Wolff. Mutig findet sie die Veröffentlichung, da sie das Leben der Roma und Sinti beschreibt, eine laut Kann literarisch unterrepräsentierte Gruppe. Was der Autor aus Kinderperspektive vom Überleben im Krieg berichtet, scheint Kann eindringlich in seiner Episodik, lehrreich insofern, als es die Geschichte Osteuropas darstellt. Das Leben in den Wäldern Wolhyniens, die ureigene Frömmigkeit der "Zigeuner" und ihr solidarisches Leben faszinieren die Rezensentin. Ein Buch voller Härte und Tragik und eine Feier des Lebens, meint sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2019
Rezensent Gerhard Gnauck verdankt diesen im polnischen Original bereits 2004 erschienenen Erinnerungen von Edward Debicki bewegende Einblicke in das Schicksal der polnischen Roma während des Zweiten Weltkriegs. Der Kritiker liest hier nicht nur wie Debicki und seine Familie vor deutschen Besatzern und ukrainischen Nationalisten fliehen, sondern erfährt auch wie die Familie durch das Musizieren überlebte oder sich mit Partisanen der polnischen Armee und russischen Soldaten verbündete. Wenn Debicki erzählt, wie seine Mutter für ein Rehkitz ein paar Milchtropfen abpresst, mag der Rezensent das Gelesene zwar kaum glauben - und doch wird es wohl so gewesen sein, meint er. Dass der Band auch Fotografien der Hauptpersonen enthält, begrüßt Gnauck.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…