Stefan Beuse

Kometen

Roman
Cover: Kometen
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2000
ISBN 9783462028751
Gebunden, 160 Seiten, 15,29 EUR

Klappentext

Während der japanische Hobbyastronom Hyakutake nachts auf einem Berg einen bis dahin unbekannten Kometen entdeckt, bereitet sich in einem anderen Teil der Welt der Unternehmensberater Jakob Leitner auf einen Empfang vor. Marie Lorenzo, die Freundin seiner Mitarbeiterin Kyra, schreibt E-mails nach Amerika mit merkwürdigen Fragen und unvorhersehbaren Folgen. Dann betritt sie im Internet den erotischen chatroom "Paradies" und verabredet sich zu einem "Black Date" im Stadtpark. Stefan Beuses erster Roman, für den er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt ausgezeichnet wurde, umkreist seine Figuren, die sich nur flüchtig berühren. Er erzählt vom magischen Zusammenhang der Ereignisse, von scheinbar zufälligen Begegnungen und Verlusten, von der Liebe und vom Geheimnis.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.11.2000

Am Verwirrspiel, dass der Roman mit seinen Figuren und Handlungssträngen treibt, hat Rezensent Ulrich Rüdenauer teilweise sogar Vergnügen gefunden. Gleich zu Beginn erzählt er seine Lieblingsgeschichte aus dem Kosmos in Beuses Buch, die von einem alten Mann handelt, der langsam sein Gedächtnis verliert. Wir lernen auch Marie Lorenzo kennen, "eine von ungefähr zehn miteinander verwobenen jugendlichen Heldinnen", die die Welt per e-mail mit abstrusen Fragen versorgt. Aber auch nach vielen inhaltlichen Details, die uns der Rezensent mitteilt, weiß man nicht, worum es im Roman eigentlich geht. Doch das scheint gerade der Witz zu sein: "Es ist nie genau zu durchschauen, welche Konstellationen sich ergeben, welche Sternbilder durch die Verschränkung der verschiedenen Episoden im Roman entstehen könnten." Und für wen sich dies bereits zu kompliziert anhöre, der wisse noch nichts "von den mannigfachen Seitensträngen und -sprüngen des Romans". Als Leser versuche man, das Zersprengte einzusammeln und zusammenzusetzen. Gott sei Dank, wie unser Kritiker meint, nicht immer mit Erfolg. Allerdings klingt sein Plädoyer einigermaßen angestrengt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.07.2000

Wenig Gefallen findet der Rezensent Claus-Ulrich Bielefeld an Stefan Beuses Roman "Kometen", obwohl er dem Autor durchaus erzählerische Begabung attestiert. Ihn stört die Form des Romans, das "short-cuts"-ähnliche Erzählen von diffus miteinander verwobenen Geschichten. Diese sollen darauf verweisen, merkt Bielefeld an, wie zufällig und beliebig alles ist, "obwohl doch alles mit allem zusammenhängt". Dieses Ziel erreicht Beuse nach Ansicht des Rezensenten nicht. Bielefeld kritisiert den Autor dafür, dass er kurz angerissene Geschichten aneinander reiht, ohne ein umfassenderes Panorama zu erzeugen. "Wahrscheinlichkeit, Entwicklung glaubwürdiger Figuren und Geschichten, psychologische Stimmigkeit - das alles ist ihm egal", lautet das Fazit des Rezensenten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2000

Stefan Maus unterscheidet hier deutlich zwischen Makro- und Mikrokosmos des Romans. Während er Ersterem noch eine gewisse Eleganz zugesteht und die Leitmotivtechnik sowie die "kontrastreichen Effekte" lobt, findet er Beuses Gestaltung des Mikrokosmos bisweilen überaus kitschig, mit "so viel großem Gefühl wie sonst nur auf zwei Horoskop-Doppelseiten". Gelegentlich blitze zwar dabei etwas Ironie durch, was den Roman seiner Ansicht nach aber nicht rettet. Letztlich ist der Roman "ein fingerfertig gebasteltes Figurinenballett, das sich zu Schlagerschnulzen dreht", findet der Rezensent, der sich durch Beuses Vorliebe für vage Ausdrücke wie "irgendwie" "irgendwo, irgendwann" an Nena erinnert fühlt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2000

Alexandra M. Kedves ist nicht begeistert: Beuse, ein ehemaliger Werbetexter, der 1999 den "Preis des Landes Kärnten" beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt erhalten hat, habe die Kurzgeschichten aus seinem ersten Buch "Wir schießen Gummibänder zu den Sternen" einfach zu einer "Collage" verkettet. Genervt beschreibt sie, wie der Autor von den Grillen in Kalifornien zu einem Killer in Deutschland und dann einem japanischen Teleskop zappt. Dieses "postmoderne Dauer-Domino" ist doch ein alter Hut, schimpft die Rezensentin. Sie beklagt auch, dass Beuse seine Figuren nicht ernst nimmt, sich sogar über sie lustig macht. In Klagenfurt, wo er eine Vorform von "Kometen" vorgetragen habe, habe er noch mit präziser Figurenzeichnung geglänzt.
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