Stefan Deißler

Eigendynamische Bürgerkriege

Von der Persistenz und Endlichkeit innerstaatlicher Gewaltkonflikte
Cover: Eigendynamische Bürgerkriege
Hamburger Edition, Hamburg 2016
ISBN 9783868542974
Gebunden, 370 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Auch im 21. Jahrhundert wird die Welt von lang anhaltenden Bürgerkriegen erschüttert - das aktuellste Beispiel ist der nicht enden wollende Bürgerkrieg in Syrien. Bis zu Beginn der 1990er Jahre wurden diese innerstaatlichen Kriege zumeist als politisch motivierte Gewaltkonflikte oder Stellvertreterkriege angesehen. Danach setzen sich mit Ende des Kalten Krieges und unter dem Eindruck des Genozids in Ruanda sowie des Bosnienkrieges neue Erklärungsansätze durch, die die flächendeckende Gewalt primär auf Habgiermotive oder traditionelle ethnische Feindschaften zurückführen. Gegen diese schablonenhaften Deutungsmuster entfaltet Stefan Deißler eine Perspektive, die der vielschichtigen Komplexität des Phänomens Bürgerkrieg näher kommt. Ohne die tragende Rolle der ethnischen, ökonomischen oder politischen sozialen Gruppen zu vernachlässigen, rückt der Autor die kriegführenden Organisationen selbst in den Fokus und unterzieht die Beziehungen zwischen Kombattanten und Zivilisten einer kritischen Betrachtung.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2016

Gerhard Gross bedauert, dass Stefan Deißler in seiner Studie über das Wesen von Bürgerkriegen in einem für Laien nur schwer verständlichen Wissenschaftsidiom verharrt und wichtige Begriffe nicht erklärt. Umso mehr, als die Untersuchung innerstaatlicher Konflikte in Deutschland eher rar ist, wie Gross weiß. Am Beispiel Kolumbien versucht der Autor laut Gross zu zeigen, wie stark die Eigendynamik von Bürgerkriegen auf die Dauer und Intensität der Auseinandersetzung wirkt. Über Begriffsdefinitionen und Analysen der Beziehungen zwischen Zivilisten und Kämpfenden wie sozialer, ethischer und ökonomischer Faktoren gelangt Deißler für Gross zwar nicht zu einem gänzlich neuen Ergebnis und kann auch keine Patentrezepte für die Lösung des Phänomens Bürgerkrieg anbieten, doch eröffnet er eine makroperspektivische Sicht für die Kriegs- und Konfliktforschung und legt ein brauchbares "erweitertes Analyseinstrument" vor, so der Rezensent abschließend.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2016

Auf jeden Fall positiv verbucht Rezensentin Barbara Kuchler den Informationsreichtum von Stephan Deißlers neuem Buch. Dass der Soziologe über die gängigen Beschreibungen einer Eigendynamik von Kriegen hinausgeht, diese als zu "marginal" wertet und Überaggregationen differenzierter zu beschreiben versucht, findet die Kritikerin zwar durchaus verdienstvoll. Allerdings gerät ihr Deißlers Versuch, die verschiedenen Akteurstypen und Handlungsmotive in Bürgerkriegen detaillierter und strukturierter zu betrachten, gelegentlich zu theoretisch und konstruiert. Während sich Kuchler des Eindrucks nicht erwehren kann, teilweise Bekanntes hier "hochgetunt" noch einmal zu lesen, vermisst sie neben einer gewissen Pointiertheit auch wichtige Aspekte wie etwa das in der Zivilbevölkerung vorkommende "Highjacking" eines Bürgerkriegs für private Zwecke.

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