Die aktuellen Interventionen westlicher Mächte in Drittweltländern haben vieles gemeinsam mit den unzähligen Gewaltkonflikten an der Peripherie seit der Eroberung Amerikas im 16. Jahrhundert. Wie ihre Vorgänger sind die modernen Imperialkriege vor allem von den Gegebenheiten des Raums und der ausgeprägten Asymmetrie von Militärorganisation, Ressourcen, Kriegführungsstilen und Gewaltkulturen der Konfliktparteien geprägt. Sie sind im Kern lokale Bürgerkriege, in denen die westlichen Mächte nur ein dominanter Machtfaktor unter vielen sind. Sie haben keine klaren Fronten, keinen Anfang und kein Ende. Regeln zur Gewalteinhegung spielen nur eine geringe Rolle. Die westliche Militärmaschinerie erweist sich auch heute noch als unfähig, einen politischen Konflikt militärisch zu entscheiden, einen Gegner zur Schlacht zu stellen, der keinen Grund hat, sie anzunehmen, und sich auf Guerillakrieg und Terrorismus verlässt. Den Preis zahlt letztlich, früher wie heute, die Bevölkerung vor Ort.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.03.2015
Interessiert folgt Ulrike von Hirschhausen den Darlegungen des Globalhistorikers Dierk Walter, der die kolonialen Kriege der europäischen Mächte als Vorläufer der heutigen westlichen Interventionspolitik betrachtet. Und so liest die Rezensentin hier über Bedingungen und Folgen kolonialer Kriege, zeigt sich überzeugt von Walters Bild der "Grenzüberschreitung" der Kolonialherren, welches er der absoluten Gewalt gegenüberstellt und erfährt, dass die Gegner auch voneinander lernten. Während der Lektüre muss die Kritikerin allerdings feststellen, dass der Autor Beispiele aus kontinentaleuropäischen Empires vernachlässigt, darüber hinaus vermisst sie in dieser überblicksreichen Studie nicht nur Antworten auf sich ergebende Herausforderungen, sondern hätte sich auch einen differenzierten Blick auf die bisher angenommene einseitige - westliche - Richtung der Macht gewünscht.
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