Mit 272 Schwarzweiß-Abbildungen. Der Korridor gehört keinesfalls zu den gepriesenen Räumen. Auf Sympathien kann er kaum hoffen. Er scheint dazu verdammt, seine Bahnen durch Elends-Cluster ziehen zu müssen.
"(...) ein widerwärtiger Dunst schlug uns entgegen, als wir oben durch den langen Korridor schritten." So berichtet beispielsweise Theodor Storms Erzähler in "Pole Poppenspäler". Auch Walter Benjamin schildert in seinen Portraits bürgerlicher Interieurs des ausgehenden 19. Jahrhunderts wenig Erhebendes aus "langen Korridoren": Sie seien "allein der Leiche eine adäquate Behausung". Korridore gelten üblicherweise als "dunkel", "finster" und "endlos". Sind wir in ihnen dem auf der Spur, was man "Un-Architektur" nennen könnte?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.03.2019
Rezensent Peter Richter freut sich gleich mehrfach über das aus der Dissertation des Autors hervorgegangene Buch von Stephan Trüby. Was der Architekturhistoriker über den vielgeschmähten architektonischen Raum des Korridors zu erzählen weiß und wie, entzückt Richter ob des heiteren Tons der Arbeit, der großen Belesenheit des Autors und seiner Exkurse in die wichtigsten Kapitel der zivilen Architekturgeschichte Europas von seinen Villen und Schlössern bis zu den Mietskasernen. Gelesen als Baustein in Norbert Elias' Prozess der Zivilisation, macht der "flüssig geschriebene" Text für Richter gleich noch mehr Sinn.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2019
Ohne ein wertendes Wort schafft es Rezensent Michael Mönninger seine Begeisterung für Stephan Trübys "Geschichte des Korridors" zum Ausdruck zu bringen. Genau wie Trüby beginnt der Rezensent mit dem doppelten historischen Ursprung des Korridors als Weg zwischen Graben und Festungsbau mit "militärischer Exit-Funktion" zum einen und als antikes Portal mit "Entry-Funktion" zum anderen. Von hier an folgt er der Struktur des Buches von den offenen Grundrissen der Renaissance-Bauten bis hin zu den modernen Labyrinthen aus Flucht- und Brandwegen in zeitgenössischen Verwaltungsgebäuden. Laut Mönninger gelingt es dem Autor, diese Entwicklung mit den Metatrends des gesellschaftlichen Zusammenlebens von der Antike bis jetzt kurzuschließen. Endlich kommt der Korridor zu seinem Recht, freut sich der Rezensent, den dieses seltsame architektonische Zwitterwesen schon immer beunruhigt hat.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…