Aus dem Spanischen von Miriam Lang. "Unbequeme Tote" ist das Ergebnis eines literarischen Experiments: Der wortgewandte Sprecher der zapatistischen Guerilla und der bekannteste Krimi-Schriftsteller Mexikos schreiben vierhändig einen Roman, der in wöchentlichen Vorabdrucken in der größten linken Tageszeitung des Landes erscheint: Hector Belascoaran Shayne, unabhängiger Detektiv in Mexiko-Stadt, erhält geheimnisvolle Anrufe von einem Toten. Zur gleichen Zeit wird Elias Contreras, "Ermittlungskommission" der EZLN, ein Dossier über einen "gewissen Morales" zugespielt, der in dunkle Geschäfte im lakandonischen Urwald verwickelt ist. Gemeinsam nehmen sie eine Spur auf, die in die Zeit des Schmutzigen Krieges in Mexiko zurückführt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.05.2006
Agitprop oder Politkrimi, Fiktion oder weltanschauliche Suada - für Merten Worthmann ist dieser Roman eine interessante wenngleich unentschiedene Konstruktion. Kein Wunder, haben doch zwei Autoren die Fortsetzungsgeschichte "im Ping-Pong-Verfahren" einander zugespielt: Indigener Zapatistenführer im Urwald der eine, prominenter Krimiautor aus der Hauptstadt der andere. Folglich treffen hier zwei Mentalitäten aufeinander, die sich in beiden Hauptfiguren spiegeln - der eher zur Resignation neigende Privatdedektiv in Mexiko-Stadt und ein zum revolutionären "Optimismus verurteilter" Ermittler im Zapatistenumfeld. Gerade mit dieser Figur überfrachtet Marcos jedoch den Roman: Literatur, so vermutet der Rezensent, ist für den mediengewandten Guerilliaführer lediglich ein "kalkulierter Flirt", stopft er doch "an Unrecht und Skandalen ins Buch hinein, was er nur unterbringen kann". Paco Ignacia Taibos Detektiv hingegen mag für die politische Front weniger geeignet sein, an der literarischen indes schlägt er sich eindeutig besser, so Worthmanns Resümee.
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