Aus dem Amerikanischen von Christina Goldmann. Was wäre, wenn Deutschland schon dabei ist, sich neu zu erfinden - aber nur aus der Entfernung hätte man es erkannt?
Entgegen der politischen Depression hierzulande hat Deutschland im Ausland ein durchweg positives Image, erfährt Michael Naumann erstaunt aus Susan Neimans neuem Buch. Die amerikanische Philosophin und Leiterin des Einstein Forums in Potsdam hat ihre im Ausland lebendenen Freunde über ihre Meinungen zur Bundesrepublik gefragt und politisch unparteiische Meinungsumfragen studiert - Ergebnis: Deutschland ist, sieh an, ziemlich beliebt und beneidet! Das führt die Autorin, lesen wir, auf die rot-grüne Außenpolitik der letzten Jahre zurück, die etwa mit Zustimmungen zur EU-Erweiterung und Ablehnung des Irakkriegs im Ausland punkten konnte. Der Rezensent liest Neimans Erkentnisse in Zeiten des Wahlkampfs als eine Parteinahme nicht unbedingt gegen die Unionsparteien, "sehr wohl aber für ein Land, das zu betreten sie vor mehr als zwei Jahrzehnten noch eine erhebliche Überwindung gekostet hat".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2005
Dieses Buch soll seinen Lesern sagen, "wen sie wählen sollen", meint Eberhard Rathgeb, der deshalb auch glaubt, dass es nach der Wahl "keinen mehr interessieren" wird. Die amerikanische Philosophin Susan Neiman vertritt den Standpunkt, dass die Deutschen bei der anstehenden Wahl "ethnologischen Beistand" brauchen, weil die "Selbstwahrnehmung" der Deutschen über das normale Maß hinaus gestört sei, erklärt der Rezensent. Dabei geht es der amerikanischen Autoren weniger um Fakten und Zahlen als ums "Ambiente" und das "symbolische Kapital", so Rathgeb weiter. Joschka Fischer beispielsweise stehe für Neiman für eine "neue deutsche Normalität", im Protestantismus der Bundesregierung im Gegensatz zu einer katholischen CDU-Führung erkenne sie eine Tendenz zur "Sühne" anstatt zum "Ablasshandel". Neiman rät dazu, die deutschen sozialen Probleme nicht überzubewerten und die Arbeitslosigkeit zu "entdämonisieren", informiert der Rezensent weiter. Außerdem warnt sie mit Avishai Margalit, dass ein Regierungswechsel so etwas wie einer "Kulturrevolution" gleichkommen würde und sieht allein in Schröder und Fischer Politiker, die genug "Mut und Rückrat" haben, sich gegen "Fundamentalismus" zu stemmen, fasst Rathgeb zusammen, der findet, dass das doch etwas "wenig für ein ganzes Land" sei.
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