Wahlkampf ist in der Mediengesellschaft zu einem allgegenwärtigen Phänomen geworden. Politik muss mit Blick auf Umfragedaten ständig beachten, wie welche Maßnahmen und welcher Auftritt vom Publikum wahrgenommen werden - der nächste Wahlgang kommt bestimmt, zumal in einem föderalen System mit 16 Länderparlamenten. Der vorliegende Band will systematisch Erscheinungsweise und Funktionen von Wahlkämpfen in der heutigen Politik beleuchten.
Patrick Horst findet dieses Buch über Wahlkampfstrategien insgesamt sehr anregend, wenn ihm die Thesen mitunter auch etwas provokant erscheinen. Interessant erscheint ihm der Standpunkt, den die Autoren dieses Sammelbandes einnehmen, indem sie auch in den "skurrilsten" Wahlkampf-Kampagnen noch "emanzipatorisches Potenzial" sehen, anstatt in das allgemeine Beklagen eines politischen Niedergangs einzustimmen. Und so findet es Horst ziemlich überzeugend, wie die Autoren die verschiedensten Formen des Wahlkampf als "rituelle Inszenierungen des demokratischen Mythos" aufschlüsseln. Dass sie, obwohl die Beiträge mit "gutgelaunten Modernisierungsoptimismus" vorgetragen werden, durchaus nicht "unkritisch" sind, nimmt den Rezensenten besonders für den Band ein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.06.2002
Hat der vor allem auf Medienpräsenz setzende Wahlkampf Folgen für die "Stabilität des repräsentativ-demokratischen Systems"? Das fragt sich Norbert Seitz bei der Lektüre des Sammelbandes über den Wahlkampf in Deutschland. Offenbar zustimmend referiert er verschiedenen Thesen des Buches, zum Beispiel den Standpunkt Dörners, dass erfolgreicher Wahlkampf hauptsächlich von der "Inszenierungsdominanz" der jeweiligen Partei abhängt. Auch die These des Autorenduos Tenscher/Nieland, dass ungeschicktes Auftreten in den Medien mit dem Rückgang von Wählerstimmen geahndet wird, scheint Seitz zu überzeugen. "Plausibel" findet der Rezensent zudem die These, dass Wahlkampf ohne die Nutzung von Marketingstrategien gar nicht mehr möglich ist, wie Kamps ausführt. Seitz spart zwar ein bißchen an Lob, doch er hat auch nichts an den einzelnen Beiträgen zu meckern. Immerhin weist er darauf hin, dass dieser Sammelband "gut sortiert" ist und einen "moderaten Ton" anschlägt, woraus man wohl schließen kann, dass ihm das Buch gefallen hat.
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