Die Geschichte des Gretchens in Johann Wolfgang Goethes "Faust" ist mit wenigen Worten erzählt: Eine schlichte, schulisch ungebildete, junge katholische Kleinbürgerin wird von einem besser gestellten Bildungsbürger, einem alternden Intellektuellen, verführt, geschwängert und ihrem Schicksal überlassen. Gretchen tötet das Kind, das sie nicht ernähren kann, wird verhaftet und zum Tode verurteilt. Obgleich Goethe seine Margarete nur in wenigen Szenen zu Wort kommen läßt, wurde sie zu einer der wichtigsten Frauengestalten der deutschen Kultur. In diesem Roman wird ihr Leben erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2003
Diese Autorin ist nicht die erste, meint Gerhard Schulz, die angesichts einer berühmten Frauenfigur als Randgestalt der Literaturgeschichte die helle Wut packt. Und sie ist nicht die erste, die hingeht und die wahre Geschichte erzählen möchte. Fausts Gretchen heißt bei Susanne Alberti Margarete Schramm, ist die Tochter eines thüringischen Kopisten und wird von einem Möchtegerngelehrten verführt, der eigentlich mit seiner Potenz hadert. Das willkürliche Einschreiten eines Herzogs gibt der Geschichte eine ungeahnte Wendung, so dass Margarete ihrem finsteren Schicksal trotz Kindstötung entgeht, verrät Schulz. Ihn mutete der Roman zunächst wie ein Studentenulk an, in der über erotische Verklemmtheit und professorale Weltfremdheit, fürstliche Willkür und Armut tüchtig hergezogen wird. Bei näherer Betrachtung kommt Schulz allerdings zu dem bösen Schluss, der Spaß habe sich in eine "unfreiwillige Parodie" verwandelt, soviel Halb- und Viertelwissen, Pseudoaufklärung und Vulgärfeminismus seien hier zusammengeklittert. Was der Autorin eigentlich ein ernstes Anliegen sei, über die Armseligkeit von Frauenschicksalen in früheren Jahrhunderten zu sprechen, werde stattdessen der Lächerlichkeit preisgegeben.
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