"Zur Demokratie gehört eine Forschung, die Ungerechtigkeiten aufdeckt." So definierte Pierre Bourdieu seine Soziologie. In diesem Sinne untersucht Sauter die Ungerechtigkeiten im Bildungssystem unter einer erziehungs-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Perspektive. Er nimmt die verborgenen Mechanismen der Macht und der Selektion in den Blick und untersucht Bildungsprozesse im Kontext von Ungleichheit und Differenz.In einer auf Ungleichheit gründenden modernen Klassengesellschaft lastet auf dem Bildungssystem und der Schule die Bürde der Selektion und damit der gesellschaftlichen Platzanweisung.Es werden soziale Spaltungen, strukturelle Ungleichheiten und Integrationsbarrieren produziert. Dies vor allem in unteren Bildungsgängen. Allerdings verschleiert das herrschende Prinzip der Leistungsgesellschaft die Gründe für die eklatante Chancenungerechtigkeit und soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem.Sauter untersucht die Dimension der symbolischen Gewalt aus der Subjektperspektive von Schülerinnenund Schülern, die in unserem Bildungssystem sozial am Rande stehen.
Ausgesprochen brauchbar findet Rezensent Dorion Weickmann dieses Buch des Frankfurter Kultur- und Erziehungswissenschaftlers über die Ungerechtigkeit des deutschen Schulsystems. Denn Sven Sauter belasse es nicht dabei, Schwachstellen und Schuldige zu benennen. Vielmehr beschreibe er sehr praxisorientiert und wirklichkeitsnah Nahtstellen, an denen Schul- beziehungsweise Bildungslaufbahnen meist scheitern würden. Sauters Analysen scheinen dem Rezensenten aber sehr deutlich Wege zu weisen, wie man an den einzelnen Punkten Abhilfe schaffen könnte, die sich vorläufig noch zur deutschen Schul- und Bildungsmisere addieren.
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