Tabea Steiner

Immer zwei und zwei

Cover: Immer zwei und zwei
Edition Bücherlese, Hitzkirch 2023
ISBN 9783906907734
Gebunden, 208 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Wirklich sie selbst ist Natali nur, wenn sie im Atelier mit dem Meißel am Alabaster arbeitet. Hier ist sie ehrlich sich selbst gegenüber, erlebt glückliche Momente, hier kann sie sich eingestehen, dass zu Hause einiges in Schieflage geraten ist. Die Enge nimmt ihr den Atem zum Leben, die Abhängigkeit von ihrem Mann wächst. Dass Ehe und Familie auch anders gelebt werden könnten, ist nicht vorgesehen, denn Natali lebt mit ihrer Familie in einer religiösen Gemeinschaft, in der klare Regeln gelten. So bestimmt der Mann, wo die Familie den Urlaub verbringt, und die Kinder lernen in der Sonntagsschule, dass Gott auch ein strafender Gott sei, der genau erkenne,wer in den Himmel komme.Natali wuchs in einer religiösen Familie auf. Dass sie auf die Kunsthochschule wollte, war ein Tabubruch. Doch sie setzte sich durch, um schon bald zurückzukehren, nachdem sie Manuel kennengelernt hatte. Nun jedoch bekommt die heile Welt in der Gemeinschaft zunehmend Risse. Natali öffnet Tür um Tür, sie lernt eine alleinstehende Theologin kennen, sie führt lange Gespräche mit Christof, dem Atelierpartner, sie sieht eine Verantwortung ihren Töchtern gegenüber, die mehr als nur diesen schmalen Ausschnitt der Welt kennenlernen sollen, um sich zu eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln. Und vor allem kann Natali immer weniger verleugnen, dass sie, falls sie so weiterlebt, langsam erstickt. In ihrem zweiten Roman dringt Tabea Steiner tief in die Strukturen einer Glaubensgemeinschaft ein, deckt die unausgesprochenen Gesetzmäßigkeiten auf und begleitet ihre Figuren auf dem schwierigen Weg, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.04.2023

Rezensent Matthias Niederberger nimmt Tabea Steiner, deren Eltern Freikirchler waren, ab, dass der Roman kein autobiografischer ist. Das Milieu der restriktiven Glaubensgemeinschaft aber kennt die Autorin, das merkt Niederberger schnell, wenn Steiner ihre weibliche Protagonistin zwischen den Wunsch nach Selbstbestimmung und dem nach Geborgenheit in der Gemeinschaft stellt und mit ihrem Lebensentwurf hadern lässt. Leider bleiben die anderen Figuren im Text eher blass, kritisiert Niederberger. Wie aus Fürsorglichkeit soziale Kontrolle wird, veranschaulicht der Roman aber gut, findet er.

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