Tara Zahra

Gegen die Welt

Nationalismus und Abschottung in der Zwischenkriegszeit
Cover: Gegen die Welt
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518431801
Gebunden, 448 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Bischoff. Mit Schwarzweiß-Abbildungen. Mit Gegen die Welt legt die amerikanische Historikerin Tara Zahra eine  Geschichte des antiglobalistischen, antiinternationalistischen Denkens und Handelns in der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg vor. Sie zeigt, wie ein Gemisch aus Nationalismus, Protektionismus und Fremdenfeindlichkeit rund um den Globus die Politik und das Denken eroberte. Ihr ebenso packendes wie bedrückendes Porträt einer Welt im Moment ihres Auseinanderbrechens ist auch eine Warnung: Die Ordnung, die wir für selbstverständlich erachten, kann brüchig sein.Schon während der ersten Welle der Globalisierung bildeten sich gefährliche Unterströmungen. Migration und ökonomische Verflechtung lösten Ressentiments und Existenzängste aus. Nationalismus und Abschottung wurden zum Mantra zahlreicher Politiker. Mit dem Ersten Weltkrieg und der Spanischen Grippe kam die erste Welle der Globalisierung vorerst zu einem Ende. Die Parallelen zur heutigen Zeit sind mit Händen zu greifen: Die Pandemie, die Verwerfungen in der Weltwirtschaft, die Rhetorik des "Take back control" - es scheint, als sei das frühe 20. Jahrhundert zu unserer Gegenwart geworden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.06.2024

Die Zwischenkriegszeit war geprägt von Misstrauen, Abgrenzung und Autarkiebestrebungen - so analysiert es Tara Zahra in einem, so Rezensent Stephan Speicher, unterhaltsamen Buch. Darin analysiert die an der University of Chicago lehrende Historikerin, mit Blick auf verschiedene europäische Länder, die USA und Indien, vor allem die "menschlichen Folgen" der Revolte gegen die Internationalisierungen: etwa das durch den neu eingesetzten Chefarchitekten des Wiener Siedlungsamtes bestimmte, auf Autarkie bedachte Ernährungsregime Österreichs, Ghandis Kampagne für das Spinnen und Weben zu Hause und den gegen asiatische Migrant:innen gerichteten amerikanischen Asian Exclusion Act von 1924. Dabei schneidet Zahra dem Rezensenten zufolge viele interessante Themen an, ohne sie weiter auszuführen - eine intellektuelle Lässigkeit, die er bisweilen unbefriedigend findet. Nicht zuletzt aufgrund von Zahras erkenntnisreicher länderübergreifender Betrachtungsweise kann er das von Michael Bischoff aus dem Englischen übersetzte Buch jedoch zur Lektüre empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 27.04.2024

Ganz glücklich wird Rezensent Arno Orzessek nicht mit Tara Zahras Buch, das den Versuch unternimmt, eine Globalgeschichte der Zwischenkriegszeit zu schreiben. Die Autorin stelle dar, wie zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg sowohl von rechts als auch von links Kritik an internationalistischen Strömungen geübt wurde, wobei dem Rezensenten zum Beispiel klar wird, dass Forderungen nach ökonomischer Abschottung manchmal durchaus mit progressiven politischen Positionen vereinbar sind. Das Buch zeichnet in diesem Spannungsfeld laut Orzessek zahlreiche Lebenslinien nach, unter anderem die des Autoproduzenten Henry Ford und die der an die Kraft des Internationalismus glaubenden Pazifistin Rosika Schwimmer, außerdem kommen, unter anderem, Mussolini und Stefan Zweig vor, die Spanische Grippe hat ebenso einen Auftritt wie das Scheitern des Völkerbundes. Ambitioniert ist das zweifellos, gesteht der Rezensent ein, aber es fehle an Struktur und Analyse. Außerdem moniert Orzessek, dass Zahra einerseits in ahistorischer Manier aktuelle Begriffe wie Globalisierung auf die Vergangenheit projiziere, andererseits aber Parallelen zur Gegenwart auch da, wo sie nahe liegen, nicht ausarbeite.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.04.2024

Tara Zahra hat eine faszinierende, in der Gegenwart anschlussfähige Globalgeschichte über die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen geschrieben, meint Rezensent Stefan Reinecke, der mit dem Buch gleichwohl nicht voll zufrieden ist. Es geht um das Wechselspiel zwischen ökonomischer Globalisierung und politischer Abschottung, das sich bereits während des Ersten Weltkriegs zu entfalten beginnt und in den frühen 1930er Jahren zu einem Abschied vom Internationalismus führt, resümiert er. Zahra stellt diese Dynamik unter anderem anhand der Biografie der jüdischen Pazifistin Rosika Schwimmer dar, lernen wir, die, aus Ungarn stammend, nicht amerikanische Staatsbürgerin werden konnte, weil sie angab, nie zur Waffe greifen zu wollen. Zahra zeigt laut Reinecke auf, dass die Konflikte oft komplex waren und zum Beispiel Abschottung nicht zwingend nur als reaktionär zu betrachten ist. Allerdings vermisst er weiterführende Thesen und Analysen. Die Arbeit bleibt, so das Resümee, zu sehr bloße Materialsammlung.