Thilo von Debschitz, Uta von Debschitz

Fritz Kahn

Cover: Fritz Kahn
Taschen Verlag, Köln 2013
ISBN 9783836548403
Gebunden, 392 Seiten, 39,99 EUR

Klappentext

Universalgelehrter, Arzt im Berlin der Weimarer Zeit, Forschungsreisender und einer der berühmtesten Bestsellerautoren seiner Zeit eigentlich hat Fritz Kahn (1888 - 1968) alles getan, um sich bleibenden Nachruhm zu sichern. Doch als er 1968 in einem Sanatorium in der Schweiz starb, war er, zumindest in Deutschland, weitgehend vergessen. Bevor Kahn vor der antisemitischen Hetze der aufziehenden Nazizeit aus Deutschland floh und es nur dank seines Fürsprechers Albert Einstein schließlich schaffte, Exil in den USA zu finden, war er ein legendär erfolgreicher Autor populärwissenschaftlicher Bücher geworden. Eines seiner zentralen Themen war das Leben des Menschen und die Funktionsweise des menschlichen Körpers. Ganz dem Zeitgeist entsprechend, der sich für Technik und Fortschritt begeisterte, ließ Kahn durch die Illustratoren seiner Bücher die Vorgänge im Inneren des Körpers als industrielle Produktionsprozesse darstellen. Die verblüfften wie begeisterten Zeitgenossen sahen den menschlichen Körper dargestellt als Industriepark voller eifriger Arbeiter und Ingenieure: Die Leber ist eine Chemiefabrik, der Magen eine Raffinerie, das Herz ein Kolbenmotor, und statt der Nerven verlaufen Stromkabel. Die collagenartigen Darstellungen, die Kahns Bestseller illustrierten, lassen mitunter an Dada, Surrealismus und Konstruktivismus denken, folgten aber dem volksaufklärerischen Plan, biologische und physikalische Vorgänge einem breiten Laienpublikum verständlich zu machen. Kahns Bildideen, die schon von Walter Gropius in seinen Vorlesungen zum Design benutzt wurden, fanden einen breiten Nachhall in der Werbung, im Film und in der Informationsgrafik.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2013

Laura Weissmüller ruft dazu auf, das Werk des Fritz Kahn wiederzuentdecken, den sie uns als Gynäkologen, Schriftsteller und Großmeister des Schaubilds vorstellt. Sein berühmtestes Werk war "Das Leben des Menschen", in dem er mit über 1000 Bilder veranschaulichte, wie der Mensch funktioniert: vom Naseninneren bis zum Innenstruktur eines Knochen. Wissenschaftlich korrekt ist das nicht immer, muss Weissmüller aus heutiger Sicht einschränken, der Mensch tritt hier nicht als Anatomie in Erscheinung, sondern als Industriepalast. Zur großen Freude der Rezensentin, die hier Anklänge an Max Ernst und Giorgio de Chirico entdeckt.

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