In seiner Studie über Nikolai Leskow behauptete Walter Benjamin, es sei vielleicht der unbewusste "Hauptzweck" der bürgerlichen Gesellschaft gewesen, "den Leuten die Möglichkeit zu verschaffen, sich dem Anblick von Sterbenden zu entziehen". Seit einigen Jahren wird jedoch eine Revision dieser kulturkritischen Diagnosen geradezu erzwungen. Die Toten sind zurückgekehrt, nicht nur als Thema spiritueller, psychologischer oder philosophischer Diskurse, sondern in konkreter, sinnlicher, materieller Gestalt. Diese Rückkehr ereignet sich in den Künsten, in Literatur, Fotografien, Rauminstallationen und Ausstellungen; sie ereignet sich in Filmen und TV-Serien (wie "Six Feet Under", "CSI" oder "Crossing Jordan"), die das Publikum in allen forensischen Details über die konkrete Materialität der Toten aufklären; sichtbar wird sie auch in neu gestalteten Bestattungspraktiken oder in den öffentlichen Debatten um Sterbehilfe, Hospizbewegung, Transplantationsmedizin oder das biotechnologische Versprechen der Langlebigkeit - wenn nicht gar "Unsterblichkeit".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2007
Bemerkenswert scheint Rezensent Helmut Mayer dieser von Thomas Macho und Kristin Marek herausgegebene Sammelband über die "neue Sichtbarkeit des Todes". Er findet darin eine Vielzahl von Beiträgen, die sich mit den Thema vor allem im Bereich der Künste und Medien auseinandersetzen. Aber auch über neue Präsentationsformen von Bestattern hat er Erhellendes gelesen. Er hebt hervor, dass eine Reihe von Beiträgen auch ältere Präsentationsformen toter Körper behandelt, um vor diesem Hintergrund die neuen Formen begreifbar zu machen. Besonders eindringlich sind für ihn die Fotografien von Jeffrey Silverthorne und Sue Fox. Vor allem Fox' Fotos von obduzierten Leichen sind in seinen Augen schwer auszuhalten. Neben Beiträgen über die Untoten der Horrorfilme und allerlei Fernsehserien, in denen forensische Beweisaufnahmen oder auch Bestattungspraktiken ausführlich dargestellt werden, informiert der Band nach Auskunft des Rezensenten auch über Leben und Sterben in Computerspielen.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Elizabeth Strout: Erzähl mir alles Aus dem Englischen von Sabine Roth. Elizabeth Strout kehrt zurück in die Küstenstadt Crosby in Maine - zu ihren Heldinnen Lucy Barton und Olive Kitteridge. Es ist Herbst…