Wirklich große Ökonomen beschränken sich nicht auf wissenschaftliche Grundlagenwerke, sondern suchen auch die öffentliche Debatte. Thomas Piketty ist hierfür das beste Beispiel. Der Autor des wohl bedeutendsten Werkes der politischen Ökonomie der letzten Jahrzehnte ist ein kritischer Beobachter seiner Zeit. Der vorliegende Band versammelt seine auf die Finanz- und Eurokrise bezogenen Interventionen der letzten Jahre und führt dabei zugleich in die großen Themen seines internationalen Bestsellers Das Kapital im 21. Jahrhundert ein. Kann die Europäische Union der zentrale Gegenspieler eines außer Kontrolle geratenen Finanzkapitalismus werden oder kapituliert sie vor der Macht der Märkte? Wie lässt sich die Eurozone nachhaltig stabilisieren, nachdem die Zentralbank das Schlimmste vorerst abgewendet hat?
Eher enttäuscht ist Ulrike Herrmann vom neuen Buch des Superstar-Ökonomen Thomas Piketty. Nach dem Bestseller "Das Kapital im 21. Jahrhundert" wirkt diese Sammlung von 40 zunächst in Zeitungen erschienenen und nicht mehr überarbeiteten Texte auf sie wie ein eilig nachgeschobenes Produkt. Recht ergiebig ist die Lektüre in ihren strengen Augen nicht: In dieser dichten Zusammenstellung seien einige Redundanzen auffällig, zudem biete die Knappheit der Texte oft nicht den Rahmen für wirklich fundierte Auseinandersetzungen. Immerhin biete das Buch aber einen Ausblick darauf, was für Potenzial in Piketty noch schlummert: Die von ihm nur grob skizzierte Kritik an der Eurozone und dem Neoliberalismus, sowie sein Plädoyer für Eurobonds wäre ohne weiteres ein zweites, großes Buch von angemessenem Umfang und entsprechender Tiefe wert, schreibt Herrmann.
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