Aus dem Niederländischen von Philipp Blom. Bis zum Herbst hat Europa Zeit: Wenn bis dahin kein Weg aus der Schuldenkrise gefunden wird, kollabiert der Euro-Raum. Starr vor Schreck blickt die Öffentlichkeit in einen Abgrund, während die Stimmen derer lauter werden, die das Projekt der europäischen Integration schon immer bekämpft haben. In dieser dramatischen Lage melden sich zwei überzeugte Europäer zu Wort: Nicht der Abschied von der europäischen Integration wird uns retten, vielmehr brauchen wir ein größeres, stärkeres, demokratischeres Europa. Die einzelnen Nationalstaaten sind viel zu schwach, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Gerade diese Krise zeigt, wie nötig wir eine starke EU brauchen: Um die Bürger vor der Willkür der Spekulanten zu schützen, die schon längst keine Staatsgrenzen mehr kennen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.11.2012
Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im EU-Parlament, Daniel Cohn-Bendit, und sein liberaler Kollege Guy Verhofstadt haben sich zusammengetan, um ein Manifest für Europa zu schreiben. Das Buch "Für Europa!" ist dem Rezensenten Christian Thomas etwas unheimlich, weil er gleich zwei problematische Tendenzen darin erkennt: einerseits die linksradikale Tradition des Revolutionsimperativs samt ihrer Einteilung der Gesellschaft in Aufständische und Feiglinge, andererseits die "ultrakonservative Hinterlassenschaft", sich ewig an der Schwelle eines gewaltigen Zeitenumbruchs zu wähnen, den die unfähige Politik einfach nicht sehen will. Das Material bietet den Autoren Edgar Morins, der schon vor fünfundzwanzig Jahren von einer "Polykrise" sprach: einer "wirtschaftlichen, demografischen, ökologischen, politischen und institutionellen" - sie reichen aber nicht ansatzweise an dessen Analyse der europäischen kulturellen Identität heran, kritisiert Thomas. Stattdessen teilen sie die Gesellschaft schlicht in zwei Gruppen, meint der Rezensent: Entweder du bist für Europa, oder du bist gegen uns.
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