Auf breiter Quellenbasis untersucht der Autor erstmals umfassend die soziale Zusammensetzung der politischen Arbeiterbewegung zwische Vormärz und Sozialistengesetz. Dabei tritt der im Schwerpunkt handwerkliche und sehr jugendliche Charakter der frühen Sozialdemokratie aus den einzel- und kollektivbiografischen Annäherungen an die historischen Akteure klar hervor. Den Schwerpunkt der Studie bildet eine Darstellung der Organisationskultur der Bewegung.
Verschiedene Thesen der groß angelegten Studie aus der Frühzeit der Arbeiterbewegung werden Widerspruch provozieren, vermutet und hofft Volker Jarren, der Thomas Welskopps Buch als weitgehend anschaulich geschriebene Arbeit lobt. Der Autor breite eine Menge mentalitätsgeschichtlicher, kulturhistorischer, geschlechterbezogene Fragestellungen in Bezug auf die frühe Sozialdemokratie auf, so dass man gelegentlich ein wenig Geduld aufbringen müsse. Interessant jedenfalls, so Jarren, dass es Welskopp gelinge nachzuweisen, wie wenig Einfluss die marxistische Ideologie auf die frühen Sozialdemokraten hatte, was sich mit einer gewissen Praxis- und Lebensferne zu deren Arbeitswelt erklären lasse. In den Arbeitervereinen seien nämlich kaum Industrie- und Landarbeiter und nur wenige, allerdings einflussreiche Intellektuelle vertreten gewesen, sie rekrutierten sich überwiegend aus dem Handwerk. Worin nun genau die Provokation von Welskopps Schlussfolgerungen liegt, teilt uns der Rezensent leider nicht mehr mit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.02.2001
Einen Beitrag zum geschichtlichen Diskurs der Sozialdemokratie in Deutschland hatte Alexander Gallus zu rezensieren. Die Habilitationsschrift von Thomas Welskopp befasst sich mit der deutschen Arbeiterbewegung zwischen 1848 und 1878 und erfährt in der Betrachtung des Autors eine neue Lesart, so Gallus. Dem Autor gelinge in seiner Untersuchung der sogenannten `Arbeiterklasse`, die faktisch aber einen Querschnitt durch alle Klassen darstelle, ein differenziertes Bild. Die "entschiedene Historisierung" beeindruckt den Rezensenten ebenso wie die "Synthese", die die Ergebnisse einer ebenso detaillierten wie unübersichtlichen Geschichtsforschung bündele. Neben dieser Zusammenfassung ist das Buch auf drei Teile angelegt: Kollektivbiografie, Organisationskultur und ideologische Position. Selbständigkeit und eigener Charakter der "Frühphase der deutschen Arbeiterbewegung" würden aufgezeigt und klar von der erst später vollzogenen Ideologisierung durch Marx und Engels abgegrenzt. Gallus vermerkt anerkennend, dass Welskopp durchweg klar argumentiert, teilweise sogar "schön erzählt". Die fast zu vernachlässigende Schwäche des Buches, liege in der etwas zu kurzen Diskussion verschiedener Demokratiebegriffe und deren Beziehungen zueinander.
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