Aus dem Französischen von Anne Thomas. Mit dem Haus im Grünen hat sich Thierry einen Traum erfüllt. Zusammen mit Élisabeth genießt er die Ruhe und Abgeschiedenheit des Wohnens nahe einem Wald. Im einzigen Haus nebenan leben Guy und Chantal. In den vier Jahren ihrer Nachbarschaft haben sich die Paare angefreundet. Die Männer pflegen gemeinsame Interessen, gehen angeln, züchten Insekten. Die Frauen tauschen Rezepte, immer wieder verbringen sie zusammen gemütliche Abende. Eines Morgens werden die Häuser von der Polizei umstellt. Bewaffnete Spezialeinheiten stürmen das Nachbargebäude, akribisch werden die Gärten und der nahe gelegene Wald durchkämmt. Thierry und Élisabeth erfahren, dass der freundliche Nachbar seit Jahren als Serienmörder gesucht wurde. Eine Welt bricht für sie zusammen, ihr gemeinsames Leben zerfällt. Von seiner Frau verlassen, sieht Thierry sich gezwungen, sich seiner eigenen verdrängten Lebensgeschichte zu stellen. Wie konnte er in seinem besten Freund nicht das Böse erkennen? In Guy widerspiegelt sich seine eigene Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.2025
Rezensent Hannes Hintermeier freut sich, dass Tiffany Taverniers achter Roman nun der erste ist, der in deutscher Übersetzung erscheint: Die beiden mittelalten Paare Thierry und Élisabeth und Guy und Chantal leben in friedlicher Freund- und Nachbarschaft in der französischen Provinz, bis Guy festgenommen wird - er soll ein Serienmörder sein. Das bringt das Sozialgefüge völlig durcheinander, so Hintermeier. Geschildert werden die Ereignisse von Thierry als "über die Maßen unzuverlässigem" Erzähler. Während Élisabeth wegziehen möchte, trauert Thierry um die Freundschaft: "das Zerbröseln der Lebensentwürfe" spielt eine entscheidende Rolle in diesem Roman, den der Kritiker ob seiner psychologischen Genauigkeit gerne empfiehlt.
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