Tine Melzer

Alpha Bravo Charlie

Roman
Cover: Alpha Bravo Charlie
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2023
ISBN 9783990272756
Gebunden, 128 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

Früher einmal war Johann Trost Pilot, heute ist er pensioniert. Früher war er außerdem Ehemann, heute ist er geschieden. Dennoch ist er immer noch treu, nicht nur seiner Exfrau, sondern auch sich selbst: Er ist zuverlässig, er schwört auf Regeln und Disziplin, er hat Prinzipien und weiß, was er mag und was er sich lieber vom Leib hält. Seine Mitmenschen zum Beispiel. Als er noch Uniform trug und im Dienst war, waren sie entweder seine Passagiere oder weit unter ihm, jetzt, als frisches Mitglied einer fidelen Freizeitgesellschaft, fühlt er sich plötzlich in Bedrängnis: Selbst Nichtigkeiten wie das Schuhwerk der Nachbarn wecken seinen Ordnungssinn. Um wieder den richtigen Abstand zu den Menschen und den Dingen zu gewinnen, beginnt er eines schönen Tages um 9.17 Uhr, die Welt auf eine erträgliche Größe zu schrumpfen, und wird zum Schöpfer einer Modellbaulandschaft...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2023

Voll des Lobes ist Rezensent Bernd Noack für Tine Melzers Roman über einen ehemaligen Piloten namens Johann Trost, der inzwischen betrübt zuhause sitzt und die Welt im Miniaturmaßstab auf dem Küchentisch nachbaut. Melzer fängt, so Noack, die Tristesse des immergleichen Lebens eines Menschen ein, der keine Möglichkeit findet, mit anderen Kontakt aufzunehmen, und findet dafür großartig lakonische Formulierungen. Als mögliche Vorbilder nennt Noack de Maistre und Perec, fügt aber an, dass Melzers oft durchaus komischer Stil durchweg eigensinnig bleibt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.05.2023

Kurz, aber sehr konzentriert lässt sich Thomas Schaefer auf Tine Melzers Roman eines Sonderlings ein, der ihn ein bisschen an Annette Pehnts Debüt "Ich muss los" erinnert. Der Sonderling ist nicht nur ein sehr deutscher Topos der Literatur, merkt Schaefer einleitend ein, sondern fast immer auch ein Mann. Gendern lässt sich dieses Inbild der "Fehlamplatzigkeit" (eine Vokabel von Melzer) bezeichnenderweise nicht, so Schaefer. Melzer hat das Einfühlungsvermögen in die verschrobene und traurige Seele dieses ehemaligen Piloten, konstatiert er, aber es stört ihn ein wenig, dass die Autorin der Gefahr des Genres - die Überhöhung des Sonderlings zum Gegenmodell - am Ende erliegt. Leider, so schließt Schaefer, wird die reizvolle Figur zu wenig erzählt, sie gleitet ins Plakative.

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