Tom Schulz

Die Verlegung der Stolpersteine

Gedichte
Cover: Die Verlegung der Stolpersteine
Hanser Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783446254688
Gebunden, 128 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

In seinen neuen Gedichten betreibt Tom Schulz poetische Gedächtnisbildung. Er steigt hinab in die "Keller, wo die Geweihe hängen", steigt bis hinauf in die Kronen der Kirschbäume und setzt in jeder Schicht Erinnerungsmarken. Dabei beansprucht er das Phantomgedächtnis der Überlieferung, überblendet die eigene Erinnerung an die Kindheit in der DDR mit Szenen des brennenden Dresden und der Gegenwart der Pegida-Aufmärsche. Wohin uns diese Gedichte auch führen, nach Litauen, nach Mexiko oder zu den Kühen vorm Atomkraftwerk - Tom Schulz zeigt, dass das Stolpern, das Innehalten Bedingung ist für eine empathische Wahrnehmung der Welt, Bedingung für ihre Verbesserung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2017

Rezensent Burkhard Müller zerlegt Tom Schulz' neuen Gedichtband Stück für Stück in seine Einzelteile. Schon der Titel lässt ihn wenig Neues erwarten - und wenn Schulz in Gedichten wie "Buchenweimar" die Nähe von Konzentrationslager und Klassik hervorrufen will, ärgert sich der Kritiker vor allem über den Gestus eines Poeten, der sich wie ein einsamer "Rufer in der Wüste" gibt, um längst im Mainstream Verankertes zu verkünden. Auch Schulz' Spiel mit Verweisen auf Klopstock, Paul Celan oder Wolfgang Hilbig kann Müller nicht überzeugen: Kalauernde Erwähnungen fremder Dichtung reichen nicht, um daran teilzuhaben, schimpft er. Nicht zuletzt führt ihm Schulz geradezu beispielhaft vor, dass Verknappungen, Ellipsen und Anspielungen nicht per se Bedeutsamkeit erzeugen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2017

Mit dem Lyriker Tom Schulz hat sich Rezensent Roman Bucheli gern auf eine sprachliche Expedition durch bekannte und unbekannte Sphären der Welt begeben. Schulz nimmt die als Erinnerung an das Schicksal deportierter Juden in den Boden eingelassenen Stolpersteine als Ausgangspunkt, um in seinen Gedichten Gegenwart und Vergangenheit zu verknüpfen, erklärt der Kritiker, der hier von Flucht, aber auch ganz "alltäglichem Stolpern" liest. Wie Schulz in seinen erzählerischen Gedichten Grenzen verschwimmen, Bilder und Erinnerungen aufblitzen lässt und dem "geheimen Wissen" in den Dingen nachspürt, hat den Rezensenten beeindruckt.
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