Aus dem Slowenischen und mit einem Nachwort von Fabjan Hafner. Der slowenische Dichter Tomaz Salamun, wie sein serbischer Freund Bora Cosic einer der Matadore der südosteuropäischen Avantgarde, zählt in den USA längst zu den größten Lyrikern seiner Generation, während er in Europa erst nach und nach entdeckt wird. Eigentlich erstaunlich, denn die Lektüre seiner Gedichte, in denen Provokation und Nüchternheit, Vision und Experimentierlust, Beschwören und Erzählen gleichermaßen lebendig sind, kann süchtig machen. Seit Anfang der siebziger Jahre lebte er mit Unterbrechungen in Amerika, entdeckte die Nachfahren der Beat Poets, befreundete sich mit John Ashbery und Charles Simic - und stellte fest, dass es vermutlich die kurze Geschichte der eigenen Sprache ist, die er als poetische Freiheitserfahrung mit den amerikanischen Kollegen teilt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2006
In den USA, in die er 1972 auswanderte, ist der slowenische Lyriker Tomaz Salamun inzwischen viel berühmter als in seiner Heimat. Und in Deutschland war er bislang weithin unbekannt, ein Sachverhalt, an dem sich mit der Veröffentlichung mehrerer seiner Gedichtbände dringend etwas ändern sollte, so der Rezensent Paul Jandl. Bezeichnend für den Dichter ist - nach kämpferisch-dissidenten Anfängen - die Nähe zur amerikanischen Lyrik der Beat-Poeten, aber auch von Wallace Stevens oder John Ashbery. Im Sammelband "Lesen: Lieben" gehe es vor allem um den Dichter als Kämpfer gegen Doktrinen der unterschiedlichsten Art. Der Rezensent zeigt sich einerseits beeindruckt von der "Souveränität der poetischen Sprache", kann aber nicht verhehlen, dass diese Pose auf Dauer für den Leser auch anstrengend werden kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2006
Rezensent Harald Hartung ist hocherfreut, dass mit dieser Lyrikedition aus vier Jahrzehnten der slowenische Dichter Tomaz Salamun nun auch für deutsche Leser zu entdecken ist. Hartung stellt Salamun als "Könner auf der kurzen Strecke" und "Meister der prägnanten Gnomik" vor. Mit wenigen Worten gelinge es diesem Dichter, die Tiefen der Erinnerung zu erreichen. Besonders in seinen frühen Gedichten gebe es ausdrücklich politische Passagen, die auf die verschiedenen Tragödien des 20. Jahrhunderts zielten. Bereichert werde der Ton dieser Gedichte durch die knapp bemessene Beimengung von Satire. In knappen Sätzen fand der Rezensent auch den Totalitarismus beschrieben. Bei allem Lob findet Hartung allerdings auch gelegentlich Grund zum Tadeln, etwas wenn Salamun seine Lesern mit aufwendigen Arrangements imponieren möchte oder gar unfreiwillig komische Einfälle aus seinem Dichterärmel schüttelt.
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