Mit zahlreichen Fotos und Zeichnungen herausgegeben von Veronika Hofer. Dass die Isarauen zwischen München und Bad Tölz auch heute noch unverbaut sind, ist dem Architekten und Naturschützer Gabriel von Seidl (1848 - 1913) zu verdanken, dem Gründer des Isartalvereins. Er gab zahlreichen prominenten Plätzen und Bauten in München ihr Gesicht: vom Stachus über das Lenbachhaus, das Bayerische Nationalmuseum, das Künstlerhaus am Lenbachplatz bis zum Ruffini-Haus in der Nähe des Marienplatzes. Auch die Stadt Bad Tölz sähe ohne Seidls Schaffen anders aus: Er prägte nicht nur den Stil der Marktstraße, auch seine Landhausvillen im bayerischen Oberland bettete er einzigartig in die Landschaft ein. Im Münchner Kunstgewerbeverein spielte er eine entscheidende Rolle. Gabriel von Seidl ist der "Erfinder" der bayerischen Gemütlichkeit. Er schuf den Prototyp des bayerischen Wirtshauses und baute Bierpaläste in Berlin und Straßburg.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2003
Die von Veronika Hofer editierte Monografie über Gabriel von Seidl, den einflussreichen bayerischen Architekten "der verrufenen Zeit des Historismus", hat Gottfried Knapp ein wenig neidisch werden lassen. Der Meister der "historisch kostümierten weltmännischen Gemütlichkeit" habe nämlich Beiträge zur Steigerung der Wohnqualität geleistet, die von der "Einfallslosigkeit des heutigen Wohnungsbaus" verschüttet worden seien. Heute halte man seinen "Heimatstil" für rückständig und fragwürdig, damals war das, erinnert Knapp, anders. Dem Buch gehe es deshalb darum, neben dem architektonischen Schaffen Seidls und seinem Engagement als früher Umweltschützer auch "etwas von der Altmünchner Atmosphäre", die ihn inspirierte, lebendig werden zu lassen. Ob das gelungen ist, darüber lässt uns der Rezensent im Unklaren - außer Frage steht jedoch, dass ihm die Lektüre Lust aufs gemütliche Wohnen gemacht hat.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2003
Diese Aufsatzsammlung bietet einen spannenden Überblick über das Schaffen des um 1900 stilprägenden Münchner Architekten Gabriel von Seidel, doch nach Meinung des Rezensenten Hubertus Adam kann sie "eine wissenschaftliche Monografie nicht ersetzen". Er vermisst zum Beispiel eine genauere Einordnung von Seidels Werk in die Architekturgeschichte seiner Zeit. Trotzdem leistet das Buch nach Adams Meinung wertvolle Dienste, weil es wichtige Elemente von Seidels Arbeit beleuchtet, etwa seine Aktivitäten als Naturschützer. Die Quellenlage über den diesen Architekten, der das Stadtbild Münchens vor hundert Jahren wesentlich prägte, ist eher dürftig, so Adams. Deshalb sei diese Aufsatzsammlung eine nützliche Bereicherung.
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