Seit 1983 waren Krankenhäuser in der DDR aufgefordert, "immaterielle Leistungen für den Export" und damit Devisen für das Gesundheitswesen zu erwirtschaften. In diesem Rahmen wurden bis 1990 rund 320 "klinische Auftragsuntersuchungen" für westliche Pharmahersteller durchgeführt. Aber auch schon in früheren Jahrzehnten gab es in der DDR zahlreiche Studien mit West-Medikamenten. Dieses Buch bietet auf breiter Quellenbasis erstmals eine umfassende und systematische Untersuchung der im westlichen Auftrag in der DDR durchgeführten Arzneimittelstudien. Das besondere Augenmerk liegt dabei auf der praktischen Durchführung der Versuche, den Motiven der Beteiligten in Ost und West sowie den damit verbundenen ethischen Fragen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2016
Joachim Scholtyseck gibt Entwarnung. Der von Volker Hess, Laura Hottenrott und Peter Steinkamp besorgte Abschlussbericht der Untersuchung über die in der DDR durchgeführten Arzneimittelstudien macht ihm in aller Nüchternheit anhand Expertenbefragungen und Zeitzeugengesprächen deutlich, dass die Indienstnahme der Medizin zum Machterhalt der DDR-Nomenklatura nicht gar so schlimm war wie angenommen. Keine Menschenversuche, resümiert der Rezensent die ihm zufolge gut verständliche Untersuchung von 447 Auftragsstudien, bloß klinische Forschung nach damals durchaus gängigen Maßstäben und zu nahezu üblichen Bedingungen. Was der Rezensent zudem aus der Arbeit lernt: wie präsent die westeuropäische Pharmaindustrie schon immer in der DDR gewesen ist und wie die rigorose staatliche Regie ihr entgegenkam.
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