Sibylle Herbert ist nicht nur Patientin, sie ist auch Journalistin. Ihre eigene Erkrankung wird zum Ausgangspunkt einer Recherche: Was erwartet einen kranken Menschen im deutschen Gesundheitssystem? Und wie kommt man zur bestmöglichen Behandlung? Wie kommt man überhaupt zu der Behandlung, die man braucht? Sibylle Herbert führt ihre Leser Schritt für Schritt durch die Stufen einer Krebstherapie, informiert über das, was keiner einem sagt. Ihre Recherche bringt schockierende Missstände im deutschen Gesundheitswesen zutage. Und noch mehr: Zum ersten Mal kommentieren Ärzte die Krebsbehandlung und das Gesundheitssystem hier aus ihrer Sicht - zusammen mit ihrer Patientin, anhand einer konkreten Therapie.
Jede Frau, die mit der Diagnose "Brustkrebs" konfrontiert wird, sollte sich das neue Buch von Sybille Herbert besorgen, rät Rezensentin Annette Bopp. Mit seiner "unverblümten" Sprache, dem "Schuss" Humor und zuweilen auch der Ironie befreie es die Frauen nämlich aus der "Erstarrung", in die viele im ersten Moment fallen. Ohne jede "Betroffenheitsromantik" erklärt die Autorin, wie sie selbst die Brustkrebsdiagnose und die anschließende Therapie erlebt hat. Im Zentrum steht dabei die Kritik am deutschen Gesundheitswesen und der Zweiklassenmedizin. Dabei zeigt die Autorin aber auch Verständnis für die Ärzte, die mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden sind und dies in "authentischen und unkommentierten" Interviews kundtun dürfen. Dieses Buch ist in den Augen der Rezensentin ein "Muss" - gerade weil Kopf und Herz der Patienten "voller Panik" sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2005
Ein "Buch für den Krankheitsfall" sieht Rezensent Gustav Falke in Sibylle Herberts Bericht "Überleben Glückssache", in dem die Autorin ihre Erfahrungen als Krebspatientin festhält. Herbert kritisiere Allmachtsanspruch, Nichtinformation, Gängelung und das Routineverhalten der Ärzte. Sie habe sich von Ärzten und Pflegern bevormundet und allein gelassen gefühlt. Herberts Kritik scheint Falke in vielen Punkten gerechtfertigt, in manchen überzogen. Zugleich wirbt er für Verständnis für die Ärzteschaft, deren Seite er differenziert darstellt. Zu den Stärken des Buches zählt er in diesem Zusammenhang, dass die Autorin ihren Bericht mit Stellungsnahmen der anderen Seite durchsetzt, die auf Interviews mit den Beteiligten zurückgehen. Zwar findet Falke auch hier "Eingriffe in denunziatorischer Absicht". So direkt wie bei Herbert werde sich kein Arzt als Technokrat bezeichnen oder seine Lust an der Macht über den Patienten gestehen. Aber man erfahre auch eine ganze Menge über die alltäglichen Nöte von Medizinern, wie sehr ihnen die Zeit fehlt, ihren eigenen Ansprüchen zu genügen, wie sehr sie unter der Bürokratie, unter dem ständigen Personalwechsel leiden, wie sehr sie sich eine bessere Verzahnung der beteiligten Stellen und mehr Rückmeldungen wünschen.
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