Die Geschichte des Fiebermessens ist die Geschichte einer medizinischen Praxis, die wie kaum eine andere medizinische Technik den alltäglichen Umgang mit Krankheit und Gesundheit prägte und immer noch prägt. Der Autor beleuchtet den Prozeß von der Erfindung bis zur Durchsetzung der Temperaturmeßmethode sowie ihre sozialen und komunikativen Bedeutungsfelder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.12.2000
Regine Halentz hat an diesem Buch offenbar einigen Gefallen gefunden. So weiß sie es sehr zu schätzen, dass der Autor auf die pauschale Kritik an der Apparatemedizin verzichtet, aber dennoch deutlich aufzeigt, wie sich das Feststellen von Krankheiten von der subjektiven Krankheitsempfindung wandelte hin zu einer scheinbar objektiven Methode - dem Temperaturmessen. Statt Krankengeschichte wurde für die Ärzte die Fieberkurve maßgeblich - nicht zuletzt, wie die Rezensentin anmerkt, durch die "elegante Möglichkeit seiner Visualisierung". Puls und Atemfrequenz konnten damit nicht konkurrieren. Doch der Leser erfahre auch einiges über frühe (einigermaßen groteske) Versuche des Fiebermessens (vornehmlich beim ärmeren Teil der Bevölkerung), über Fortschrittsideen, die man mit der neuen Methode verbunden sah, und auch über die Verbreitung des Fieberthermometers. Bedauerlich findet die Rezensentin lediglich, dass diese Geschichte des Fiebermessens das vergangene Jahrhundert nicht berücksichtigt. Gerade in Zeiten von "Computertomografie und Zytotest" hätte sie sich Überlegungen dazu gewünscht, wieso das Thermometer auch heute noch "Verständnis und Wahrnehmung von Krankheit" bestimmt.
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