Aus dem Amerikanischen von Karin Wördemann. Mit neun Abbildungen. Betreiben Frauen Wissenschaft anders als Männer? Oder gilt der alte Satz "der Geist hat kein Geschlecht", und die Tatsache, daß so wenige Frauen an Universitäten lehren ist auf zufällige soziale Faktoren zurückzuführen? Und wie stark wirkt die Organisation des Wissenschaftsbetriebes auf die Inhalte der Forschung? Wie kommen Entscheidungen darüber zustande, was wir wissen wollen (und was wir vorerst nicht wissen wollen)? Gibt es so etwas wie einen männlichen Horizont, und eröffnen Frauen in der Wissenschaft doch neue Fragestellungen, neue Inhalte, neue Methoden?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.04.2001
Die Autorin untersuche den "clash of cultures", den Zusammenstoß einer Kultur der Weiblichkeit mit einer frauenlosen Wissenschaftskultur in den USA und im interkulturellen Vergleich, erklärt Hiltrud Häntzschel. Insbesondre interessiere sie sich für die Auswirkungen des Ausschlusses von Frauen auf die Inhalte der Naturwissenschaften. Fasziniert hat die Rezensentin, wie Schiebinger auf ihrem Weg durch die Disziplinen "eine Fülle bekannter, aber auch bislang wenig beachteter geschlechtsgenuiner Veränderungen im Wissen" ausmacht. Dass sie auch vor der "Differenzfalle" warne, in die der Feminismus immer zu tappen Gefahr läuft, findet Häntzschel gleichfalls erwähnenswert. Um so bedauernswerter, dass der Titel der deutschen Ausgabe "geradewegs in diese Falle führt".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.01.2001
Marie Theres Fögen hat sich von diesem Band offenbar mehr versprochen, was ein wenig an der deutschen Übersetzung des Titels liegt. Denn ihrer Diagnose zu Folge wird hier keineswegs darüber Aufschluss gegeben, wie "weibliche Gehirne" im Gegensatz zu männlichen denn nun forschen. Stattdessen werden zahllose "Banalitäten" geboten, stöhnt Fögen: Dass Spielzeug immer noch geschlechtsspezifisch ist, dass Frauen ihre Karrieremöglichkeiten oftmals unterschätzen oder dass sie durch die Kindererziehung stärker belastet werden als Männer. Interessanter hätte es die Rezensentin gefunden, etwa neue Erkenntnisse über "Gen- und Gehirnforschung" zu lesen, die vielleicht Aufschluss darüber gegeben hätten, wieso nun Frauen anders forschen als Männer. Als eines der vergleichsweise interessanten Resultate in diesem Buch bewertet Fögen die Erkenntnis, dass Frauen offenbar andere Forschungsgegenstände bevorzugen als Männer: Wenn man in diesem Buch auch nicht erfahre, ob Frauen anders forschen, so werde doch deutlich, dass sie "häufig etwas anderes erforschen". Insgesamt stört sich die Rezensentin jedoch sehr an dem wehleidigen Unterton der Autorin, die nicht müde werde, das "Los der Frauen" zu beklagen, andererseits jedoch die typisch männliche Karriere als Idealform hinstellt. Dies ist nach Fögen keineswegs eine feministische Haltung, vielmehr werde hier einer "Forderung einer Männergesellschaft" nachgekommen, was die Rezensentin angesichts der übrigen Thesen Schiebingers erstaunlich findet.
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