Volker Reinhardt

Der nach den Sternen griff

Giordano Bruno - Ein ketzerisches Leben
Cover: Der nach den Sternen griff
C.H. Beck Verlag, München 2024
ISBN 9783406813627
Gebunden, 352 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Mehr Freiheit geht nicht, und mehr Verfolgung auch nicht: Giordano Bruno (1548 - 1600) lehrte, dass der unendliche Kosmos einer Vielzahl von Welten Raum bietet und dass auch das menschliche Denken durch nichts begrenzt wird. Mit dieser Botschaft zog er durch Europa, um die in religiöse "Eseleien" zerrissene Welt zu einen. Volker Reinhardt ist ihm dabei auf der Grundlage neuer Quellen gefolgt. Seine Biografie des faszinierenden Freigeistes ist zugleich das Porträt eines inquisitorischen, rechthaberischen Jahrhunderts, das uns gerade heute eine Mahnung sein sollte.
Für Giordano Bruno war das unendliche Universum von einem Höchsten Wesen beseelt, die Erde ein lebendiger Oragnismus und der Mensch in der glücklichen Lage, das alles zu erkennen. Im Geiste reiste er zu den Sternen. Ganz irdisch war sein Leben ein unglaublicher Parcours durch die intellektuellen und religiösen Zentren Europas: Genf, Toulouse, Paris, Oxford, London, Wittenberg, Prag, Zürich … Überall wurde der geistreiche Verächter aller Glaubenswahrheiten als Gelehrter empfangen und früher oder später als Ketzer verjagt. Am Ende landete er in Venedig und in den Fängen der Inquisition, wurde nach Rom ausgeliefert und dort nach jahrelanger Kerkerhaft im Heiligen Jahr 1600 feierlich verbrannt.
Volker Reinhardt hat Giordano Brunos Schriften neu gelesen, ist seinen Spuren an den verschiedenen Aufenthaltsorten nachgegangen und hat neu entdeckte Dokumente zum Inquisitionsverfahren entschlüsselt, das sich als eiskalter Justizmord entpuppt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.08.2024

Brillant findet Rezensent Otto Kallscheuer Volker Reinhardts Biografie des vagabundierenden Philosophen Giordano Bruno. Was mit fahrender Philosoph gemeint ist, kann der Leser laut Kallscheuer ermessen, wenn er die Lektüre mit der im Band enthaltenen Europakarte beginnt. Der Autor weiß sowohl von Brunos Größenwahn zu berichten, als auch von der Denunziation, die zu seiner Verbrennung führte, und von den Hintergründen, lobt Kallscheuer. Ob Bruno überhaupt ein Philosoph war und kein "New-Age-Magier" - der Rezensent weiß es nicht. Doch er weiß: Reinhardt interessiert sich vor allem für Brunos vierten Dialog, den er analytisch und mit Blick auf die historisch-politischen Implikationen auseinandernimmt. Und der dreht sich um die "geistige Verfassung Europas".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2024

Im Großen und Ganzen mit Gewinn liest Rezensent Andreas Bähr Volker Reinhardts Biografie über Giordano Bruno. Diese zeichnet, lesen wir, den Lebensweg des Philosophen nach, der 1548 geboren wurde, Zweifel an der Lehrmeinung der Kirche zum Beispiel hinsichtlich der räumlichen Ausdehnung des Universums äußerte, in die Fänge der Inquisition geriet und im Jahr 1600 hingerichtet wurde. Ein Problem für die Nacherzählung dieses Lebens ist laut Bähr, dass sie sich fast nur auf die parteiischen Akten der Inquisitoren selbst stützen kann. Auch, dass man den Ausgang der Sache von Anfang an kennt, schmälert den Leseeifer gelegentlich, so der Rezensent, aber es gelingt Reinhardt doch, den insgesamt neun Jahre langen Prozess als ein spannendes Verfahren darzustellen. Tatsächlich fiel Bruno am Ende, stellt Bähr mit Reinhardt dar, machtpolitischen Erwägungen zum Opfer. Etwas zu sehr betont Reinhardt für Bährs Geschmack den Kontrast zwischen Bruno und seinen Richtern. Tatsächlich war, meint der Rezensent, Bruno in vielem durchaus ein Kind seiner Zeit. Diesen Aspekt des von heute aus gesehen Fremdartigen bekommt das ansonsten lesenswerte Buch nicht ganz zu fassen, findet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.03.2024

Rezensent Leon Holly verspricht mit Volker Reinhardts Biografie zu Giordano Bruno ein "echtes Lesevergnügen". Denn der Historiker erzähle darin unter Rückgriff auf Verhörprotokolle, philosophische Schriften von Bruno selbst und auf Zeitgenossenberichte bestens fundiert, aber auch sehr lebendig vom Leben und der Hinrichtung des abtrünnigen Mönches rebellischer Natur, der im 16. Jahrhundert im Zeichen der Religionskritik um die Welt reiste und überall aneckte: bei den Katholiken, den Calvinisten und den Lutheranern gleichermaßen, zählt Holly auf. Dabei lege Reinhardt dar, wie Bruno - durchaus mehr an Provokation als an Selbstschutz interessiert, wie Holly zitiert - auch Opfer der damaligen "Ränkespiele" wurde: So habe Papst Clemens VIII. mit der Verbrennung des Missionars ein Exempel statuieren wollen, um "konservative Hardliner im Vatikan zu beschwichtigen", gibt der Kritiker wieder. Wie der Autor dabei ein Bild einer "verunsicherten und eifersüchtigen" Kirche zeichne, ohne dabei undifferenziert zu werden, gefällt ihm ebenfalls. Ein lesenswertes Buch über einen Denker, den man als frühen Liberalen begreifen könne, so Holly.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 29.02.2024

Man lernt einiges aus dieser Biografie über Giordano Bruno, einen berühmten Ketzer, der nicht glauben wollte, dass die Sonne sich um die Erde dreht und der 1600 in Rom für seine Ansichten hingerichtet wurde, so Rezensent Michael Opitz. Autor Volker Reinhardt lehnt sich, wie Opitz ausführt, an die historischen Inquisitionsprotokolle an, was nachvollziehbar ist, aber auch nicht unproblematisch, da Giordanos Aussagen hier unter Zwang erfolgten. Einige relevante eigene Schriften des Philosophen werden hingegen nicht ausgewertet, moniert der Rezensent, der von der Faktendichte, Lesbarkeit und Genauigkeit des Buchs dennoch angetan ist.

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