Walter Helmut Fritz? Lyrik nahm, wie es Karl Krolow beschrieb, eine "Entwicklung von ruhiger Konsequenz". Und so greifen auch seine neuen Gedichte auf vertraute Motive zurück, ohne dass der Spannungsbogen des lyrischen Fragens je verloren ginge. Fritz' Gedichte nehmen Reiseerfahrungen auf, treten in imaginäre Dialoge mit Künstlern verschiedenster Provenienz und führen beharrlich Selbstgespräche, die mal von melancholischem Zweifel und mal von lichtdurchwehter Zuversicht gekennzeichnet sind. Im Mittelpunkt des neuen Bandes steht der 36-teilige Zyklus "Maskenzug", der sich aufmacht, in fernab gelegene Länder hinabzutauchen und den Geschichten hinter den "Masken" nachzuspüren. Walter Helmut Fritz' lyrische Erkundungen zeigen Menschen und Dinge ohne ihre Alltagsmaskeraden; sie schärfen unseren Blick für das Verborgene.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2003
Auch wenn die Anlage des Bands als Triptychon "stimmig" sei, kann sich Iris Denneler nicht für die Gedichte von Walter Helmut Fritz begeistern: "Unauffälligkeit im Duktus und in der Thematik ist gerade sein Kennzeichen geworden". Entwicklung hat der heute 74-jährige Fritz in Dennelers Augen nicht gesucht, obwohl seit Ende der fünfziger Jahre mittlerweile mehr als fünfzig Einzelpublikationen erschienen sind, fügt sie fast vorwurfsvoll hinzu. Nicht nur, dass seine Welt um das "Überschaubare, das Unspektakuläre" kreise, bemängelt die Rezensentin, sondern es fehle vor allem eines in Fritz' Gedichten: das "hingegebene Bei-der-Sache-Sein". Denneler ist schlichtweg nicht ergriffen: "Die Worte bleiben in allzu großer Distanz, klarsichtverpackt, herzenskalt, wo wir uns Sprachverzweiflung, Wortmagie, gar Schweigen wünschen".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.06.2003
Einmal mehr zeigt dieser Gedichtband für Meike Fessmann die "Kunst vielsagender Verknappung", die dieser Lyriker ihrer Meinung nach perfekt beherrscht. Die Rezensentin betont, dass die große "Glaubwürdigkeit" und die "Autorität" von Walter Helmut Fritz in seiner Genauigkeit und Aufmerksamkeit liegen, und sie bemerkt dankbar, dass in den Gedichten nirgends "lyrische Prätention" steckt. Gerade von den Charakterisierungen einzelner Personen in den Gedichten, die die Protagonisten trotz sehr treffender Porträtierung "niemals verraten", zeigt sie sich angetan, nicht zuletzt wegen der "unaufdringlichen Einfühlung", die sie darin entdeckt. Als besonders beeindruckend hat die Rezensentin das zwei Seiten lange Gedicht "Alexandra" empfunden, in dem der Tod eines Kindes und die Trauer der Mutter beschrieben werden. Im in der Mitte des Bandes stehenden "Maskenzug", der von der afrikanischen Maskensammlung eines Freundes ausgehend als "Durchgangsstation" für die "Phantasie" des Autors fungiert, zeigt sich für die begeisterte Rezensentin die "Wandlungsfähigkeit des Gleichen", die sie in allen Gedichtbänden des Autors demonstriert findet und die sie als "Einspruch gegen die "Tyrannei des Altwerdens" liest.
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