Bürgerschreck, literarisches Enfant terrible, Dada-Mitbegründer, brillanter sozialer Beobachter. In Leben und Werk von Walter Serner (1889-1942) spiegeln sich die zwanziger Jahre als Tanz auf dem Vulkan. Der Jurist jüdischer Herkunft schrieb früh in der von seinem Vater herausgegebenen "Karlbader Zeitung", gesellte sich mit seinem skandalumwitterten Manifest "Letzte Lockerung" zur Dada-Bewegung und durchstreifte beinahe ein Jahrzehnt schreibend Europa. Um 1928 verlor sich seine Spur für die Öffentlichkeit. "Der Maupassant der Kriminalliteratur" (Theodor Lessing) zog sich in die Anonymität zurück. Bis 1942 lebte er als Lehrer mit seiner Frau in Prag; von dort wurde er nach Theresienstadt deportiert und schließlich ermordet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2007
Rezensent Jörg Drews freut sich über das Dada-Manifest Walter Serners, dessen zweite Fassung von 1927 Andreas Puff-Trojan mit Kommentaren wiederaufgelegt hat. Bei Dada-Lesungen in Genf und Zürich hatte der studierte Jurist 1920 den ersten Teil, das in Dada einführende Manifest "Letzte Lockerung" erstmals vorgetragen, später ergänzte er es um ein "Handbrevier" mit 580 dadaistischen Merksätzen. Aus Sicht des Rezensenten bringt er damit "Dada intellektuell auf den Punkt wie kein anderer". Zugleich nihilistisch und "von geradezu halkyonischer Heiterkeit" begegne Walter Serber dem Nichts mit "kalten, illusionslosen, dabei spielerischen" Sätzen, vergesse dabei nie: "Wer ein Wort des Trostes spricht, ist ein Verräter".
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