Wanda Marasco

Am Hügel von Capodimonte

Roman
Cover: Am Hügel von Capodimonte
Paul Zsolnay Verlag, Wien 2018
ISBN 9783552059023
Gebunden, 240 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Neapel, Italien: Rosa spricht zu ihrer eben verstorbenen Mutter Vincenzina. Und sie erzählt: Wie Vincenzina, eine Analphabetin vom Land, in die Großstadt flieht und Rafele trifft, den Sprössling einer großbürgerlichen Familie. Mitten in den Kriegstrümmern blüht eine verbotene Liebe auf. Rafeles Mutter bietet ihr Geld an, um sie für den zurückgenommenen Heiratsantrag zu entschädigen - und sie loszuwerden. Doch Vincenzina bleibt an Rafeles Seite, der sie mit seinen Affären zur Verzweiflung treibt. Ist das Liebe? Oder ein Fluch, der über Generationen hinweg bestehen bleibt?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2018

Rezensent Andreas Rossmann schwelgt in dem Neapel-Bild, das Wanda Marasco für ihn viel weniger konventionell zeichnet als Elena Ferrante. Genaue Beobachtung der Figuren, Stimmen, Gerüche und Farben, eine Darstellung von Lebensgeschichten in Szenen, Miniaturen, Ahnungen und Alpträumen sowie die knappe, sprunghafte Prosa überzeugen Rossmann. Die Lebensrückschau der Erzählerin am Totenbett der Mutter wird für ihn zum Mosaik einer rohen Wirklichkeit, die sich bei Marasco zwar nicht zum Epochengemälde rundet, Zeitgeschichte und Politik weitgehend ausspart, aber dafür umso mehr die morbide Schönheit der Stadt und ihrer Bewohner einfängt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.08.2018

Maike Albath erkennt die Unterschiede zwischen Wanda Marascos Roman und der Saga von Elena Ferrante sofort. Weder einen eingängigen Handlungsfaden noch schmissiges Erzählen hat Marasco zu bieten, meint sie. Dafür einen Blick von unten auf eine Kindheit im Neapel der Fünfziger und Sechziger, der die Stadt wie ein Bosch-Gemälde malt, Gewimmel und Fratzen. Marascos "lyrisch-expressionistische" Sprache, "flackernde" Bilder und "ausgefeilte" Metaphorik machen das "Stationendrama" über den unerbittlichen wie magischen Charakter der Stadt für Albath zum düster-herrlichen Erlebnis.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2018

Rezensent Franz Haas erkennt die Herkunft der Autorin vom Theater. Wanda Marascos schlankes, aber mit "massiver Präsenz" wucherndes Kompendium vom Leben und Sterben in Neapel schneidet im Vergleich mit Elena Ferrante gut ab, findet Haas. Annette Kopetzkis Übersetzung überträgt den Monolog der Erzählerin am Totenbett der Mutter, die Familiengeschichten um Klassenunterschiede, Glauben und Kriminalität kongenial und mit Sinn für Marascos "filigrane Miniaturen" und ihre erzählerische Wendigkeit, meint Haas.
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