Die Entwicklung der modernen Urologie von Ende des 19. bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts spiegelt sich exemplarisch in den 10 hier ausgewählten Biographien wider. Hauptschauplätze waren hierbei die europäischen Hauptstädte Wien (von Dittel, Leiter), Paris (Guyon, Proust) und Berlin (Nitze, Casper und von Lichtenberg), sowie Nordamerika (Goodfellow, Young). Neben der Dokumentation der Fachhistorie ist es auch Ziel dieses Buches, die Strömungen in der Medizin in Beziehung zu den jeweiligen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen zu stellen. So erfährt der Leser sozusagen im Vorbeigehen auch Wissenswertes über die viktorianische Gesellschaft Englands, die Eroberung des Wilden Westens in Nordamerika, der Belle Epoque Frankreichs sowie über das Schicksal jüdischer Urologen in Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2002
Es gibt - gegen den ersten Anschein - einen guten Grund, warum dieses Buch ins Feuilleton geraten ist: ein Aufsatz nämlich ist Marcel Prousts Bruder Robert gewidmet und nur dieser eine Aufsatz wird hier besprochen. Robert Proust, erfahren wir, war ein exzellenter Chirurg mit diversen medizinischen Nebengebieten, Autor auch: nämlich von 27 Fachbüchern und 250 Artikeln. Zudem erfand er im Ersten Weltkrieg einen "fahrbaren Operationssaal". Reiner Speck, der Autor des Aufsatzes (und Mitbegründer der deutschen Proust-Gesellschaft), ist der Ansicht, dass Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" ohne die "fermentative Wirkung" des medizinisch geprägten Umfelds - der Vater war "Leiter des französischen Gesundheitswesens" - gar nicht zu denken wäre. Diese These referiert der Rezensent Paul Ingendaay nur, bescheinigt Speck aber, einen "lebendigen, gut dokumentierten" Aufsatz geschrieben zu haben.
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