Mit einer kunsthistorischen Verortung von Franziska Schmidt und einem topo-biografischen Essay von Annett Gröschner. In deutscher und englischer Sprache. Utopie auf Platte zeigt Wenke Seemanns künstlerische Suchbewegung durch die Raum- und Bildordnung der Moderne, von den Orten ihrer Kindheit über die Bruchstellen gesellschaftlicher Transformation, hin zu den Fissuren in den Objekten der Erinnerung. Die Arbeit "Archivdialoge #1 - Bauplan Zukunft" ist, über Genre- und Mediengrenzen hinweg, ein visuelles wie narratives Zwiegespräch zwischen zeithistorischem Material und eigener Biografie. In einem Prozess der assoziativen Recherche und künstlerischen Aneignung sind kritische wie ästhetische Neuordnungen entstanden, die sich als Collagen, Zeichnungen, Montagen, Fotografien und Texte aufeinander beziehen und verweisen. Für Seemann ist die Archivarbeit ein Prozess: der Verlagerung, Überschreibung, Dekonstruktion, -nicht von Fakten, sondern von Faktizität, nicht von Objekten, sondern von Objektivität. In der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem historischen Bild-/Material formt das Archiv sich um: Aufbewahrtes und Gespeichertes wird aktiviert, überlagert und übersetzt. Die Bildschichten des Raumes liegen frei, die Gleichzeitigkeit von Geschichte(n) offen.
Rezensent Jochen Becker erfährt aus dem Buch der Sozialwissenschaftlerin Wenke Seemanns allerhand über die DDR-Moderne. Wie diese sich im Plattenabau manifestierte, dokumentiert die Autorin mit Fotos aus dem väterlichen Archiv und eigenen Erinnerungen an Tapeten und Grundrisse, so Becker. Dass Seemann mit ihrer Darstellung so etwas wie einen Geist des Aufbruchs und der Erneuerung aus der tristen Platte herausarbeitet, findet Becker schon bemerkenswert.
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