Am Anfang steht der legendäre griechische Anti-Philosoph Menippos aus der Schule der Kyniker, dessen subversive Phantasie einer vielfach missverstandenen, von der skeptischen Antike bis zur modernen Katastrophenerfahrung wirksamen Gattung den Namen gab. Der Fremdblick der "Menippeischen Satire" entlarvt die Verrücktheit der Normalität, die Fragwürdigkeit aller Dogmen und den Wahn des Heldentums. Eine ebenso witzig wie drastisch inszenierte Paradoxie zeichnet all die vielfach miteinander verflochtenen Texte aus, die - von Lukian über Erasmus, Morus, Rabelais, Swift und Jean Paul bis hin zu Kafka und zur Science Fiction - an diesem europäischen Dialog teilhaben. Werner von Koppenfels erzählt diese Literaturgeschichte der schrägen Perspektiven fesselnd und allgemeinverständlich, und öffnet den Blick auf eine glanzvolle Tradition der Gedankenfreiheit, die alles andere als unzeitgemäß ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2008
Eingenommen ist Roman Luckscheiter von Werner von Koppenfels' Geschichte der menippeischen Satire und deren Tradition in der europäischen Literaturgeschichte. Entstanden ist zu seiner Freude ein "komparatistisches Panorama der Meisterklasse". Er bescheinigt dem ermeritierten Anglisten und Übersetzer, höchst versiert die typischen Formationenen der menippeischen Satire epochenübergreifend aufzurollen und dabei so unterschiedliche Autoren wie Lukian und Horaz, John Milton und Aldous Huxley, Rabelais und Moliere, Reuchlin und sogar Ludwig Thoma vorzustellen. Zudem führe Koppenfels typische Verfahren und Erzähltechniken wie den "tierischen Standpunkt" oder die der "rhetorischen Selbstentlarvung" vor Augen. So wird für Luckscheiter auch das "Potential der Literatur" sichtbar, "Heterogenität zu erzeugen und dabei Überzeugungen zu relativieren und Dogmen zu destruieren".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2007
Mit hohem Lob bedenkt Hans-Albert Koch das neue Buch von Werner von Koppenfels "Der andere Blick", in dem dieser dem Vermächtnis des Menippos in der europäischen Literatur nachspürt. Die menippeische Satire, die dem griechischen Philosophen ihren Namen verdankt und derer sich schon Nero in seinen Schriften bediente, durchzieht in abgewandelter Form bis heute die nachfolgenden Epochen der Literaturgeschichte. Mit bissigem Spott und viel Ironie, dabei bedeutend bitterer und galliger als andere komische Gattungen, macht sie auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam und verhöhnt sowohl irdische als auch göttliche Herrscher. "Selten" habe "diese schwarze Gattung so kundige Aufmerksamkeit erfahren", freut sich der Rezensent, der diese "überaus reiche Textlandschaft" gerne durchwandert hat. Ob über die griechischen Philosophen oder die Autoren des Fin de Siecle, Koch findet ein Kapitel "reizvoller als das andere", und schließt seine begeistere Kritik mit der Frage: "Was kann Literatugeschichte Besseres leisten?"
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