Aus dem Englischen von Gregor Hens. Mai 1970: In der experimentellen psychiatrischen Kommune des Psychiaters Zack Busner in London treffen Menschen und Traumata aus dem Pazifikkrieg aufeinander: ein Überlebender des von den Japanern torpedierten Kriegsschiffes USS Indianapolis, das kurz zuvor die für Hiroshima bestimmte Atombombe transportiert hat, und ein britischer Beobachter, der an Bord des Bombers den Abwurf miterlebt hat. Gemeinsam mit Zack Busner begeben sich die Patienten auf einen LSD-Trip, in dem die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit endgültig zerfließen. Der Blutrausch der Haie, die beinahe die gesamte Schiffsmannschaft der USS Indianapolis verschlingen, und der Blick auf die grauenhafte Schönheit des Atompilzes über Hiroshima aus dem Bomber - in beiden Ereignissen kristallisiert sich eine neue Dimension des Krieges, die die Überlebenden in das treibt, was die Gesellschaft als Wahn tituliert. Zack Busner hat den Verdacht, dass nur seine Patienten den Irrsinn einer Welt, in der Massenvernichtung technologisch perfektioniert ist, durchschauen …
Sylvia Prahl ist froh, den "Gewaltmarsch" von Will Selfs neuem Roman durchgestanden zu haben. Am Ende winken Einsichten in die Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Wirkung von Drogen und in die Abgründe der menschlichen Psyche, erklärt sie. Den LSD-Trip einer Londoner Psycho-Kommune inszeniert der Autor laut Prahl gekonnt, indem er Erinnerung, Träume, Wahn und Wirklichkeit und popkulturelle und - literarische sowie historische Verweise miteinander vermischt. Rasche Perspektivwechsel, mäandernde Bewusstseinsströme, Selfs irrwitziger Humor und eine sich nicht anbiedernde Sprache vermitteln Prahl das Gefühl, selbst in einen schönen Rausch zu geraten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.11.2016
Ganz ohne Drogen kann sich Rezensentin Jutta Person von Will Self und seinem fantastischen Übersetzer Gregor Hens durch die "Wahrnehmungspforte" seines Romans in eine Welt führen lassen, in der jeder und jedes bewusstseinsstromartig miteinander verbunden ist, wo Orte, Zeiten und Personen ineinander fließen und mit Zitaten, intertextuellen Bezügen und "Worthackstückungen" verwoben werden. Das Kern-Motiv dieser Welt ist der Hai, lesen wir. Von der idealistischen Hippie-Idee absoluter Freiheit ohne psychiatrische Behandlung und Medikamente geleitet, gründen die Figuren in "Shark" das "Konzepthaus", in dem Patienten und Psychiater frei von jeder hierarchischen Ordnung zusammen leben sollen, erklärt Person. Dabei schreibt Self jedem seiner Protagonisten etwas Hai-artiges zu, wovor kein Idealismus und keine Droge sie befreien kann. Am Ende würde die begeisterte Rezensentin diese Welt am liebsten gar nicht mehr verlassen.
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