Lila Eule
Der OstWest-LSD-BeatClub-Roman

Correctiv, Berlin/Essen 2025
ISBN
9783948013301
Gebunden, 528 Seiten, 29,00
EUR
Klappentext
Über dreißig doppelseitige Illustrationen von Rocket & Wink. Der deutsche Publizist, Autor und Zeitzeuge Cordt Schnibben legt mit dem OstWest-LSD-BeatClub-Roman eine Darstellung der frühen Siebziger vor.Auf den ersten Blick eine verzwickte deutsch-deutsche Liebesgeschichte: Carl aus Bremen, 18 Jahre alt, zieht aus Protest gegen seinen Nazi-Vater 1972 nach Ost-Berlin und verliebt sich in Mara - doch der Hippie fliegt aus der DDR. Nach dem Fall der Mauer sucht Carl seine große Liebe im Chaos des zerfallenden Sozialismus.Auf den zweiten Blick ein skurriler Agententhriller: Maras Vater, Stasi-Offizier im Westeinsatz, hält Carl für einen LSD-Dealer und Spitzel, den der westdeutsche Verfassungsschutz auf ihn angesetzt hat. Er ließ ihn damals in den Knast werfen.Auf den dritten Blick die berauschende Geschichte vom Aufstand im Spießbürger-Deutschland: Carl und seine Freunde Sylwia und Sigi - Kabelträger in der Bremer Kult-Sendung "Beat-Club" und Stammgäste in der Lila Eule - hören in den Songs von Jimi Hendrix und Janis Joplin das Vibrieren einer liberalen, weltoffenen Zeit. Nach dem Mauerfall treffen sich die drei Freunde in der anarchistischen Technoszene Ost-Berlins wieder und stellen sich die große Frage: Warum ist der Mensch schlau genug, um zu erkennen, wie er die Welt besser machen kann, aber dumm genug, um daran immer wieder zu scheitern?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 06.06.2025
Rezensent Tobias Lehmkuhl fühlt sich nicht schlecht unterhalten von Cordt Schnibbens - man kann wohl tatsächlich sagen: autofiktionalem Roman, denn von einer Autobiografie kann nicht mehr wirklich die Rede sein, angesichts der Masse halluzinogener Drogen, die darin konsumiert wird, und der erzählerischen Distanz, die Schnibben zu seinem Alter Ego schon dadurch einnimmt, dass er ihm einen eigenen Namen gibt: Carl Lederer. Als westdeutscher Linksradikaler und später als Reporter geht dieser Lederer nach Ost-Berlin, trifft dort allerlei interessante Persönlichkeiten, verliebt sich, konsumiert jede Menge LSD, hilft bei der Eröffnung eines der ersten Berliner Techno-Clubs, usw. Vor allem aber ist er auf der Suche - nach einer ganz bestimmten Frau, eine Suche, die sich als roter Faden durch die Erzählung zieht, lesen wir. Schnibben erzählt davon in einem Mix stilistischer Entlehnungen von Sven Regener, Lutz Seiler und Frank Witzel - nicht schlecht, aber eben auch nicht neu oder eigen. So fragt sich Lehmkuhl am Ende dieses 500-Seiten starken Debütromans: Warum? Was hat das alles mit mir und der Gegenwart zu tun? Wozu diesen Text lesen, wenn der Anspruch ist, mehr daraus zu gewinnen, als ein paar Stunden guter Unterhaltung oder nostalgischen Schwelgens in Erinnerungen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.05.2025
Rezensentin Claudia Fromme fragt sich bei dem mächtigen autobiografischen Hintergrund von Cordt Schnibbens Debütroman, was der Autor eigentlich hinzuerfunden hat zur Story um einen linkssozialisierten Bremer Jung, der 1972 aus Liebe in den Osten rübermacht, bevor er wieder zurückkehrt und ein erfolgreicher Journalist wird. Der Mix aus LSD-Trip, Agentengeschichte und Lovestory sagt ihr auch deshalb zu, weil Schnibben den Apo-Sound wie auch den Sound der FDJ beherrscht. Wer mit der Musik von den Stones und The Who, mit dem 68er-Duktus und den dialektischen Sprüngen im Buch nichts anfangen kann, könnte den Roman langatmig finden, fürchtet Fromme, allen anderen möchte sie ihn wärmstens empfehlen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 28.05.2025
Rezensent Florian Eichel hätte nichts gegen eine Autobiografie von Cord Schnibben gehabt. Aber die Idee, aus seinen Erinnerungen einen Roman zu machen, missglückt leider, muss der Kritiker feststellen. Dabei liest er zunächst gar nicht ohne Interesse, wie sich der ehemalige Spiegel-Reporter im Bremen der Sechziger mit dem Nazi-Vater anlegt, nach Ost-Berlin abhaut, LSD nimmt, die Rolling Stones hört und von One-Night-Stand zu One-Night-Stand eilt. Aber warum brauchte es dafür Schibbens Helden Carl Lederer? Literarisch gelungen findet Eichel immerhin die Beschreibung der zeitübergreifenden Beziehung zur ostdeutschen Geliebten Mara. Der Rest der mehr als fünfhundert Seiten erscheint dem Rezensenten dann aber doch zu sehr wie ein Materialberg ohne Form, Dramaturgie und Dichte. Dennoch: Dass Schnibben irgendwann einen wirklich guten Roman vorlegt, schließt der Kritiker nicht aus.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 22.05.2025
Ein interessantes Leben hat Cordt Schnibben laut Rezensent Wilfried Hippen zweifellos geführt; allein, ein guter Roman ist nicht daraus geworden. Schnibben erzählt hier entlang seiner gleichwohl fiktionalisierten Lebensgeschichte: Thematisiert wird unter anderem die Jugend in Bremen, die den Protagonisten in Kontakt mit der legendären Sendung "Beat-Club" und dem ebenfalls legendären Club "Lila Eule" bringt, später geht der Erzähler mithilfe eines Stipendiums der DKP in die DDR, noch später hängt er in Berliner Technoclubs ab. Viel deutsch-deutsche Zeit- und Kulturgeschichte steckt in diesem Buch, nur leider gelingt es Schnibben nicht, daraus gute Fiktion zu machen, moniert der Kritiker: Die Figuren bleiben blass und reden im selben Tonfall - und sie reden zuviel. Wenn zudem etwa eine schwarze Amerikanerin über ihre Erfahrungen beim Alamont Free Concert 1969 berichtet, dann liest sich das für den Rezensenten wie eine Zweitverwertung der journalistischen Arbeit Schnibbens.Dass hier zum Teil Lyrics einst hipper Songs in Gänze abgedruckt werden, macht es für Hippen nicht besser. Immerhin sind die Songs per QR-Code abrufbar, außerdem gibt es schicke KI-Illustrationen, schließt der Rezensent.