Herausgegeben von Judith Schalansky. Aus dem Englischen von Rainer G. Schmidt. "Während ich sprach, nahm ich einen Revolver in die Hand; und mein Gefährte hatte gerade begonnen, mir zu erzählen, dass dies ein Revolver mit einer ganz besonderen Marotte sei, als das Ding mit einem schrecklichen Knall losging und mir eine Kugel ins linke Knie jagte." Mit dem Besuch Patagoniens hatte sich der Schriftsteller und Vogelkundler W. H. Hudson einen Lebenstraum erfüllt. Doch nachdem er sich vor dem Ertrinken auf einem kenternden Dampfer gerettet und nach einer Wanderung durch die Dünen ohne Wasser und Essen endlich ein englisches Lager erreicht hatte, schießt er sich ins eigene Bein. Sein Begleiter holt Hilfe, während sich eine Schlange in seinen Schlafsack verirrt. Durch all dies zu unverhofftem Müßiggang gezwungen, geht er nicht wie geplant auf Jagd nach seltenen Vögeln, sondern liegt ermattet, die Fliegen beobachtend und über die Schönheit der Vögel, die Vielfalt der Natur, das Einzigartige des Lebens staunend, in einer Hängematte. Seine Reflexionen wurden zu einem Klassiker der Reiseliteratur. Ornithologische Betrachtung und philosophischer Essay zugleich, zeugen sie von der außergewöhnlichen Beobachtungsgabe Hudsons und seiner erzählerischen Kraft, die ihn auch für Autoren wie Hemingway zum Vorbild werden ließ.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2019
Tobias Lehmkuhl träumt vom wilden Patagonien mit William Henry Hudsons Buch. Dass der Autor schon Anfang 1870 den argentinischen Süden bereiste und von dessen Weite und Stille schwärmte, lange vor Chatwin und Theroux, findet der Rezensent bemerkenswert. Faszinierend scheint ihm Hudsons gesteigerte Wahrnehmungsfähigkeit für Land und Kreatur und seine Kenntnis über das Leben der Pioniere. Hudsons fließende Satzperioden hat Rainer G. Schmidt präzise übertragen, findet Lehmkuhl.
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