Am Ende des 12. Jahrhunderts sind in allen Lebensbereichen tiefgreifende Veränderungen zu beobachten: Der Horizont erweitert sich in wörtlicher wie in übertragener Bedeutung. Das Bildungssystem verändert sich durch die Hohen Schulen und Anfänge der Universität, die Geldwirtschaft setzt sich durch, die "rechnenden Künste", vor allem die Geometrie, ermöglichen eine neue Architektur von Kathedralen, Burgen und Städten. Wolfdieter Haas beschreibt eine Epoche im Wandel. Hier werden ebenso Westeuropa wie das byzantinische Reich, das Heilige Land, die Kreuzfahrer und die Muslime als Teile einer sich im Ganzen verändernden Welt einbezogen, denn eine überwiegend national orientierte Sicht könnte diesen Wandel nicht erfassen. Eine Bibliografie und ein Register runden den Band ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2003
Wolfdieter Haas habe hier "ein ermutigendes Buch" und vor allem "ein Buch zur rechten Stunde" vorgelegt, lobt Johannes Fried, ein Buch, das sich von aller Nationalgeschichtsschreibung verabschiede, sich einer "Wendephase des ganzen Abendlandes" zuwende und durch seine Beschäftigung mit den gemeinsamen kulturellen Grundlagen "alle Nationalität transzendiert". Zu diesem Lob stellt der Rezensent jedoch eine ganze Reihe von Kritikpunkten. Haas hat den Versuch unternommen, erfahren wir, sämtliche "Wandlungsimpulse" um die entscheidenden Jahre 1197 und 1198, in denen sich alle Gewichte in Europa neu verteilen sollten, im Zusammenhang zu zeigen. Genau diesem Anspruch aber, bemängelt der Rezensent, sei der Autor nicht wirklich gerecht geworden, seine Ausführungen wirkten gelegentlich dann doch "bloß additiv nebeneinandergestellt". Außerdem vermisst der Rezensent Wichtiges, Anderes kommt ihm zu kurz, beispielsweise der deutsche Thronstreit von 1198, die Schlacht bei Bouvines oder der Beitrag des Judentums zum Wandel in der betreffenden Zeit.
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