Wolfgang Hermann

Fliehende Landschaft

Roman
Cover: Fliehende Landschaft
Haymon Verlag, Innsbruck 2000
ISBN 9783852183336
Gebunden, 112 Seiten, 13,80 EUR

Klappentext

"Werden wir ankommen, werden wir denn jemals ankommen?" Diese ebenso einfache wie existentielle Frage begleitet den Ich-Erzähler auf seiner Reise durch die bisherigen Stationen seines Lebens. Behutsam, wie es sein körperlicher Zustand erfordert - er liegt nach einem Herzanfall im Krankenhaus -, nähert er sich den vergangenen Jahren, die durch ständiges Unterwegssein gekennzeichnet waren. Da ist die innige Liebe zu seinem Sohn Marc, die zerstörerische Beziehung zu Elena, die ambivalente Einstellung zum Elternhaus; da ist die Flucht vor Beständigkeit, die ihn nach Nordafrika und Nordeuropa treibt, ihn aber schließlich innehalten lässt in der Bergwelt seiner Heimat. Die Orte, an denen er verweilt, werden zum Spiegelbild der Gefühlswelt, bieten dem Erzähler aber auch die Möglichkeit, von sich Abstand zu gewinnen, sich in die realen Landschaften und deren Beschreibung zu versenken. Zwingend und notwendigerweise stellt er sich auch dem, was ein weiteres Unterwegssein nicht zulässt: dem Tod.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2001

Im "Angesicht der letzten Dinge" gelingt es hier dem Autor nach Auskunft der Rezensentin Kristina Maidt-Zinke "jenen feierlich bedeutungsvollen Ton anzuschlagen, der sich (... ) als literarische Alternative zum Galgenhumor anbietet". Zum Lachen ist somit der Rezensentin keineswegs bei der Lektüre dieses Buches, das das "Erlebnis der Todesnähe und des Ausgeliefertseins an einen therapeutischen Apparat" eines herzkranken Ich-Erzählers so eindringlich intensiv schildert, dass sich die Rezensentin nicht anders zu helfen weiß, als auf die Biografie des Autors zurückzugreifen, um sich ihre Leseerlebnis erklärbar zu machen. Sichtlich benommen von diesen "erstaunlichen Einblicken ins Reich der Schatten" und den "Versuchen den Augenblick des Abschieds in poetische Bilder zu kleiden", sucht die Rezensentin am Ende wieder Abstand zu gewinnen, indem sie die Lektüre dieses Buches wohl vielen Menschen mit Ausnahme von "Herzpatienten" empfiehlt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.02.2001

Tief beeindruckt ist der Rezensent Rüdiger Görner von dieser "Ich-Studie" Wolfgang Herrmanns. Das "konkrete Leiden" des Ich-Erzählers nach einem Herzanfall wird ohne zu "überzeichnen, knapp, glaubwürdig" dargestellt, wobei der Autor "den Leser bis an die Schmerzgrenze führt". Auch entdeckt der Rezensent verborgene Parodien auf den Sprachduktus Rilkes und Hölderlins, die jedoch keineswegs als störend empfunden werden. Das einzige Manko, "eine kompositorische Schwäche dieser Prosa", so der Rezensent, liegt in ihrer "radikalen Selbstbezogenheit". Dies ist auch der Grund, warum Görner den Begriff "Ich-Studie" dem Begriff Roman vorzieht. Zudem "gesunde" das "Ich" etwas zu schnell. Am Ende blickt der Rezensent freudig in die Zukunft, in der er von diesem "Sprachartisten" ein Buch erwartet, das nicht nur um das Ich kreist - um dann endlich einen Roman von Hermann ebenso wohlwollend besprechen zu können.

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