Mit einem Nachwort von Andreas Dreesen. Manchmal eher komisch, manchmal eher melancholisch sind diese Erzählungen: Ihren Anfang haben sie noch in der Kriegszeit und werfen dann Schlaglichter auf das Leben wie es war, danach, im Osten des geteilten Lands. Die Titelgeschichte erzählt von dem Studenten Straat, der behauptet, persisch zu können, um sich im Lager eine Überlebenschance zu sichern. Nun soll er dem Kapo, der nach Kriegsende nach Persien will, Sprachunterricht geben. Es bleibt ihm nur der Ausweg, eine Sprache zu erfinden … Die Erzählung ist Grundlage für den 2020 in die Kinos gekommenen Film "Persischstunden".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2021
Rezensent Gustav Seibt hofft, dass der Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase mit der Neuauflage seiner Erzählungen von 1977 nun endlich auch als Erzähler von Rang anerkannt wird. Seibt muss gar nicht nach Szenischem schauen oder nach gelungenen Dialogen, um die Novellen zu mögen. Ihren Reiz entfalten die Texte für ihn durch die lakonische, wirklichkeitssatte Sprache, die in der Lage ist, ganze Jahrzehnte und Tragödien in wenige Worte zu fassen. Und dann ist da noch das Historische, das sich laut Seibt so recht entfaltet, liest man die Texte chronologisch - von den KZ-Geschichten über die Erzählung über den Einmarsch der Russen in Berlin bis zum Blick auf die gesellschaftliche Realität der DDR. Geschichten voller Witz und Pointen, die sich gut zum Vorlesen eignen, meint Seibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2021
Rezensent Andreas Kilb ahnt, was für ein großer Schriftsteller Wolfgang Kohlhaase hätte werden können, wenn er nicht ein so großer Drehbuchautor geworden wäre. Den im Band versammelten Erzählungen, Novellen eigentlich, folgt Kilb mit Spannung und Freude über den Realismus der Texte und darüber, wie die Figuren in ihren Reaktionen auf das Geschehen hin zum novellenmäßigen unerhörten Ereignis Kontur gewinnen. Die Geschichten erinnern Kilb an Pavese und Hemingway, weniger an den russischen Realismus. Eine "existentielle Ratlosigkeit" klingt aus ihnen, die er aus der DDR-Literatur der siebziger Jahre kaum kennt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…