Die Sicht der Nachfolgestaaten auf die österreichisch-ungarische Monarchie ist noch immer von mehr oder weniger nostalgischen Vorstellungen geprägt. Bei näherer Betrachtung wird hinter den diversen k.(u.)k.-Mythisierungen eine Form der Herrschaftslogik sichtbar, die die Selbst- und Fremdbilder der verschiedenen Ethnien modelliert. Diese Kodierungen des "Eigenen" und "Fremden" haben alle kulturellen Formen erfaßt und dauern bis heute an. Die einzelnen Beiträge des Bandes überprüfen Fragen der Multiethnizität und der Funktionsweisen von Kultur und Macht fachübergreifend an einem historischen Paradigma, der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie von 1867-1918, wobei sowohl exemplarische Analysen als auch methodologische Fragen, Überblicksdarstellungen und aktuelle literarische Beiträge berücksichtigt wurden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2003
Der kulturwissenschaftliche Sammelband "Kakanien revisited" ist beileibe nicht der erste zum Thema, und so hat auch der mit dem Kürzel "czz" zeichnenden Rezensent mit einigen Wiedergängern gerechnet. Er hat sie erblickt, wenn sich auch die Terminologie geändert habe. Der "multikulturelle Raum" erscheine unter dem Signet des "Hybriden"; was einst unter "Zentrum und Peripherie" figurierte, erklinge nun durch in postkolonialer Melodie. Und dennoch kann dies in den Augen des Rezensenten den Wert des Bandes nicht schmälern. Besonders hervor hebt er Hannelore Burgers Studie über das Passwesen der Monarchie sowie Waltraud Heindls Skizze zum Wandel bürgerlicher Lebensweisen. Beide sind in seinen Augen durchaus dazu angetan, die Debatte um die biologische, ethnische und staatsbürgerliche Dignität der "Person" zu bereichern.
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