Wolfram Knorr geht es in seinen von persönlichen Erfahrungen geprägten Ausführungen und Untersuchungen um das merkwürdige Verhältnis, das man hierzulande dem Amerikanismus gegenüber eingenommen hat und noch immer einnimmt. Man reist zwar gerne in die USA, nimmt auch habituelle Züge der Amerikaner an, schmückst seine Umgangssprache mit Amerikanismen und versucht sich dennoch von amerikanischem Kulturgut zu distanzieren. Man meckert über amerikanische Filme, will aber gleichzeitig kaum einen versäumen. man findet zwar amerikanische Spannungsliteratur "oberflächlich" will aber dann doch (im Urlaub!) auf eine solche Lektüre nicht verzichten. man findet die McDonaldisierung schrecklich, hat sich aber längst von ihr freiwillig infizieren lassen...
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2000
Jürgen Schmidt kann sich für dieses Buch nicht begeistern. Ein "Aufwärmen längst geschlagener Schlachten" diagnostiziert er, etwa dort, wo Knorr den "künstlichen Realismus der Achtundsechziger-Filmemacher" beklagt. Schmidt ist es offenbar ein wenig leid, nun schon wieder lesen zu müssen, dass die Hochkultur in Deutschland angeblich kaum jemanden interessiere, während die Populärkultur hierzulande ein Schattendasein friste. Knorr beleuchte dabei zwar verschiedene Bereiche, die Argumente sind nach Schmidt jedoch immer wieder die gleichen. Die Künstler in Deutschland sind nach Knorr schlicht unfähig, Kunstwerke zu kreieren, die die Bevölkerung interessieren könnten. Zwar habe der Autor in einzelnen Punkten durchaus recht, allerdings werde das Buch dadurch nicht unbedingt spannender. Für an dieser Thematik interessierte Leser empfiehlt der Rezensent dann doch lieber Georg Bollenbecks Buch "Bildung und Kultur", das sich allerdings mehr auf die Wurzeln des Problems bzw. das neunzehnte Jahrhundert bezieht. Knorr Buch sei lediglich die "light-Version" davon, mit Schwerpunkt Bundesrepublik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.07.2000
Sascha Michel nutzt diese Rezension, um seine Meinung kund zu tun, dass „die deutsche Kultur der amerikanischen nichts Nennenswertes entgegenzusetzen hat“. Deutsche Kultur, so erfährt der verdutzte Leser weiter, wird bei Michel vor allem durch Werner Höfers Internationalem Frühschoppen, Dieter Thomas Heck und Co. vertreten. Diese Ansicht scheint auch der Autor des vorgestellten Buchs zu vertreten, der bei den Deutschen einen jahrhundertealten Antiamerikanismus diagnostiziert und den Deutschen in diesem Zusammenhang Heuchelei vorwirft. Sowohl Autor wie auch Rezensent machen es sich in Klischees mit Bart gemütlich: Da ist von der „schwerfällig-verkopften deutschen Kultur auf der einen und sinnlich-verspielten amerikanischen Kultur auf den anderen Seite“ die Rede. Michel räumt zwar ein, dass dies nicht frei von Polemik ist, scheut sich jedoch nicht, seinerseits ein Plädoyer für Klischees zum Besten zu geben, weil diese ja doch „etwas treffen“. Eine Rezension, die sich vor allem als Lamento über deutsche Provinzialität liest. Selbst Wim Wenders bekommt sein Fett ab, weil er die „Arroganz“ an den Tag gelegt hat, Hollywood als `Schmierenindustrie` zu bezeichnen. Da versteht der Rezensent nun wirklich keinen Spaß mehr...
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