Schiller zu parodieren war bereits zu seinen Lebzeiten eine beliebte Beschäftigung und ist es bis heute geblieben. Wulf Segebrecht hat einige der schönsten Verunglimpfungen aus der Geschichte des Lieds von der Glocke ausgewählt. Böse Verballhornungen stehen neben ernsthaften Ehrerweisungen, ideologiekritische Umarbeitungen neben witzigen Nonsens-Versen. Garantiert nicht zum sturen Auswendiglernen, sondern zum puren Vergnügen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2005
Wolfgang Schneider stellt "einen der amüsantesten Beiträge zum Schillerjahr" vor: Wulf Segebrechts Wundertüte der Wirkungsgeschichte des, wie es im Untertitel heißt, "meistparodierten deutschen Gedichts". "Das Lied von der Glocke" wurde persifliert und veralbert, aufs Kuchenbacken und jegliches andere Handwerk übertragen, für schlüpfrige Herrenlyrik verballhornt und für politische Propaganda missbraucht. Und es wurde, so Schneider im Rückgriff auf den Autor, von anderen deutschen Dichtern - von Schlegel bis Enzensberger - immer wieder als minderwertig abgetan. Doch andererseits: "Eine Karikatur zieht herab. Hundert Karikaturen haben etwas von einer Hommage, sind ein Denkmal." Und so kann man in diesem Buch Schillers berühmtestes Gedicht als Urtext eines "lyrischen Geleitzug des bürgerlichen Zeitalters" neu kennen lernen.
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