Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff. Ein heißer Sommer im Prag der Fünfzigerjahre: Jana Honzlová, eine junge Sängerin in einem Folklore-Ensemble, darf nicht mit auf Tournee gehen, denn seit ihr Vater ins kapitalistische Ausland geflüchtet ist, gilt sie im kommunistischen System als politisch unzuverlässig. Stattdessen soll sie im Betriebsbüro die Stellung halten, wo sie ihr Leid mit der freundlichen Putzfrau teilt und heimlich internen Intrigen nachforscht. Aber auch ihre komplizierte Familiensituation hält die Ich-Erzählerin in Atem, die alles, was ihr widerfährt, mit Unverblümtheit und Straßenwitz schildert. Denn Jana Honzlová ist eine, die nicht so schnell aufgibt und sich ihre Chuzpe bewahrt. Umso erschütternder ist es für sie, als die Verhältnisse am Ende doch mächtiger erscheinen.
Rezensent Jörg Plath merkt dem Roman von Zdena Salivarova aus den Jahren 1968/69 an, dass er nicht aus einem Guss ist. Dennoch zeigt er sich begeistert über den leichten, frischen Ton der jungen Erzählerin, die ihre Erfahrungen mit dem Stalinismus im Prag der 50er mit dem Leser teilt. Es geht um Intrigen, Valuta, Denunziation, Wut und die Qualen, wie sie eine junge Sängerin in der Konfrontation mit der Partei erlebt, erklärt Plath. In Sachen Subtilität hat der Text etwas Luft nach oben, räumt er ein, aber unterhaltsam ist er allemal.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2024
Zdena Salivarovás erstmals 1972 und nun auf Deutsch erschienener Roman ist eine gelungene Studie über das Leben in der Tschechoslowakei zwischen Stalinismus und Prager Frühling, findet Rezensentin Christiane Pöhlmann. Die Ich-Erzählerin Jana, die prekär in der Hauptstadt lebt und für ein Gesangs- und Tanzensemble arbeitet, erhält darin Einblick in ihre Akten - den von Beamten gesammelten ,Tratsch' - versucht sich gegen die darin enthaltenen Anklagen zu wehren, wird selbst als Spitzel angeworben und gerät so in eine katastrophale Situation, an deren Ende vielleicht - der Text lässt es offen - die Ausreise steht. Salivarová erzählt dies, schreibt Pöhlmann, souverän und detailreich; auch die Übersetzerin Sophia Marzolff hat ihr zufolge gute Lösungen für die verwendete Umgangssprache gefunden. Dabei stelle die Studie über das Denunziantentum die weiterreichende Frage nach zwischenmenschlicher Aufrichtigkeit. Ein lesenswerter Roman, den die Rezensentin empfiehlt.
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