Herausgegeben von Martin Sabrow, Ralph Jessen und Klaus Große Kracht. Die Deutung der Vergangenheit ist immer eine höchst strittige Angelegenheit. Stärker als für andere Epochen gilt dies für die Zeitgeschichte. Gleichviel, ob "Fischer-Kontroverse", "Historikerstreit" oder "Goldhagen-Debatte": Nie blieb die Diskussion auf die Fachwissenschaft begrenzt, immer erreichte sie über die Medien ein breites Publikum. Der Band zeichnet den Gang der großen Debatten in den letzten Jahrzehnten nach. Er lässt Beteiligte von damals zu Wort kommen und bietet vertiefende Analysen zum Selbstverständnis der Historiker und ihrer wachsenden Medienkonkurrenz. Dabei bleibt der Blick nicht allein auf Deutschland beschränkt, sondern wendet sich ebenso großen Debatten im europäischen Ausland zu.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.02.2004
Zufrieden zeigt sich Rezensent Frank Ebbinghaus mit diesem Sammelband über die Historikerdebatten seit 1945. Ebbinghaus lässt die sogenannte "Fischer-Kontroverse" Revue passieren, bei der die wissenschaftliche Untersuchung der Ursachen des Ersten Weltkrieges unversehens zur Schuldfrage mutiert war, um dann festzustellen, dass uns diese Debatte wie auch der Historikerstreit von 1986, über Goldhagen und die Wehrmachtsaustellung "heute seltsam fremd" erscheinen. Die Hitze der großen Gefechte sei in diesem Band auf Seminar-Temperatur heruntergekühlt, bemerkt Ebbinghaus und findet, dass das der Sache gut tut, insbesondere wenn es um die historische Einordnung der Debatten geht: "Hier glänzen die Autoren durchweg mit ausgewogenen Analysen."
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