Eine kritische Reflexion über den Zeitzeugen als Phänomen der öffentlichen Geschichtskultur. Mit Texten von Martin Sabrow, Harald Welzer, Rainer Gries, Achim Saupe, José Brunner, Laura Jockusch, Sybille Steinbacher, Jolande Withuis, Hanna Yablonka, Silke Satjukow, Judith Keilbach, Christoph Classen, Wulf Kansteiner, Hanno Loewy,m Filippo Focardi und Irina Scherbakowa.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.01.2013
Aufmerksam hat Rezensent Hermann Theissen das nun von Martin Sabrow und Norbert Frei herausgegebene Buch über "Die Geburt des Zeitzeugen nach 1945" gelesen. Er erfährt hier etwa, dass der Zeitzeuge erstmals im Jahre 1961 beim Eichmann-Prozess in Jerusalem in Erscheinung trat, als der Generalstaatsanwalt Gideon Hausner 112 repräsentative Zeugen ausgewählt hatte, deren Berichte, so Theissen, die "erhoffte nationale Erschütterung" in Israel auslösten. Während vom 1949 gegründeten Institut für Zeitgeschichte ein "Zeugenschrifttum mit Zeugnissen von Personen, die während der NS-Zeit "politische, administrative und militärische Positionen" besessen hatten, angelegt worden sei, sei später der Wunsch nach "Authentizität" immer größer geworden: Die seit den achtziger Jahren regelmäßig vor Schulklassen, in Gedenkstätten und Medien auftretenden Zeitzeugen hätten bald allerdings eine vorwiegend "affirmative Rolle" eingenommen, berichtet der Kritiker, der den Zeitzeugenbericht zwar bereichernd findet, jedoch auch hier stets eine kritische Quellenanalyse fordert.
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