Marcus Woeller inspiziert für die Welt das Angela-Merkel-Porträt, das bald das Kanzleramt schmücken wird. Geschaffen hat es der Künstler Jérémie Queyras, der sonst vorwiegend abstrakt malt. Diesmal aber: im Gegenteil. "Abstrakt ist nichts auf diesem Bild. Es ist der pure Realismus. Von protestantischer Nüchternheit. So riskant wie eine Verwaltungsvorschrift. ... Es ist leider überhaupt nicht überraschend. Jérémie Queyras hat die Angela 'Sie kennen mich' Merkel gemalt." In der SZ schreibt Peter Richter. Hier ist das Bild zu sehen.
Weitere Artikel: Der Künstler Markus Lüpertz hat wieder einmal ein Kirchenfenster gestaltet, im Naumburger Dom; Jörg Häntzschel nimmt das in der SZ zum Anlass, sich Gedanken über das Verhältnis von Kunst und Kirche zu machen. Ingeborg Ruthe ruft in der BlZ dem verstorbenen Galeristen Klaus Märtens nach. Florian Illies bespricht in der Zeit einen Gesprächsband, in dem sich ein anderer Galerist, Michael Werner, über "notwendige Kunst" äußert. Im Tagesspiegel wiederum verfasst Nicola Kuhn einen Nachruf auf die Konzeptkünstlerin Runa Mields. Katharina Rustler hört sich für den Standard in der Wiener Angewandten um, wo nach dem Amtsantritt der neuen Rektorin Ulrike Kuch plötzlich gute Stimmung herrscht.
Besprochen werden Vatherine Opies Schau "Mountains Don't Know Their Names" im Pomo, Trondheim (monopol), die Frida-Kahlo-Schau "Frida: The Making of an Icon" in der Londoner Tate Modern (NZZ) und die Ausstellung "Tapetenwechsel. Migration und Mobiliar seit 1960" im Museum Ephraims-Palast, Berlin (taz).
Elke Buhr (Monopol) verdanktForensic Architecture und seinem deutschen Ableger Forensis einen neuen Blick auf den deutschen Völkermord an den Ovahero und Nama. Denn die Kollektive zeigen aktuell in der Berliner Spore Initiative nicht nur, was sie bei Recherchen in Namibia fanden: "Die Landschaft war nicht nur Ort des Genozids, sie trägt bis heute seine Spuren. Speziell eingefärbte Fotografien zeigen, wie das fruchtbare Gras in den vergangenen hundert Jahren aus der Landschaft verschwunden ist und durch Sträucher ersetzt wurde - ein Zeichen der Versteppung durch die Eingriffe der Kolonialmacht, die unter anderem das Wasser monopolisierte. Die zentrale Filminstallation, in der die Recherche ausgebreitet und mit vielen Interviews mit Einwohnerinnen und Einwohnern ergänzt wird, zeigt die Auswirkungen des Völkermords bis in die Gegenwart. Namibias weiße Minderheit, zwei Prozent der Bevölkerung, besitzt noch immer siebzig Prozent des Landes."
Gestern nun wurden Markus Lüpertz' monumentale Buntglasfenster im Naumburger Dom eingeweiht. In der FAZ ist Stefan Trinks ziemlich angetan: "Das Lüpertz sehr vertraute Thema der stark farbigen Scheiben ist die Verdammnis und Erlösung. Über einem Sockel aus Schädeln, die traditionell auf Tod und Verderben, aber auch auf Golgotha als Richt- sowie Sündentilgungsstätte Christi anzuspielen vermögen, deren 'Gesichter' aber eindrücklich von mehreren Bleiruten durchfurcht sind, erheben sich neben Engeln und Auferstehenden auch die Endgegner. (…) Auch die Farbikonologie, das Kombinieren unterschiedlicher Töne mit Konnotationen, setzt Lüpertz furios ein: Der Wirbel aus hoffnungsfrohen und vielfach abgestuften Grüntönen, wie sie beispielsweise innerhalb der Figur eines Gläubigen mit gen Gott gewendeten Armen auf innig liebevolles Flammenrot in dessen Herzgegend stoßen, vermittelt ebenso die gewollte Atmosphäre und erhellt in einem 'Enlightenment' das Prekäre des Moments, wie die deutlich dunkleren Töne die Gegenwelt charakterisieren."
Weitere Artikel: Für die tazbesucht Katrin Bettina Müller das Depot der Sozialen Künstlerförderung, das 15.000 Arbeiten von 2.000 KünstlerInnen beherbergt, die Auftrag des West-Berliner Senats entstanden waren. Ebenfalls in der tazberichtet Hilka Dirks von der Schließung des Berliner Auktionshauses und des Projektraums "Die Möglichkeit einer Insel". Und auch das von der Deutschen Bank betriebene Palais Populaire wird schließen, meldet Nicola Kuhn im Tagesspiegel. In der FAZ befürchtet Frauke Steffens, dass bekannte Wandbilder, etwa von Philip Guston oder Seymour Vogel, die im Wilbur J. Cohen Federal Building hängen, verkauft werden, weil Trump das Gebäude über die General Services Administration möglichst schnell abwickeln möchte.
Theorie ist nicht tot, auch nicht in Verbindung mit Kunst, wie Ingo Arend auf der Tagung "Kunst Ausstellung Diskurs" in Kassel erleichtert für die tazfeststellen darf. Morgen wird das Kanzlerinnenporträt von Angela Merkel vorgestellt, Boris Pofalla macht sich in der Welt Gedanken darum, wie sich in der Kanzlergalerie das Selbstverständnis der Ex-Regierungschefs zeigt. Vincent vanGoghs Gemälde "Hôpital Saint-Paul à Saint-Rémy-de-Provence" wird von den Erben des jüdischen Kaufmanns Felix Kallmann seit Jahren zurückgefordert, im September dürfte eine Entscheidung fallen, meldet die FAZ.
Besprochen wird: Die Ausstellung "Dabei sein und nicht schweigen" im Gropius Bau mit Werken von Gabriele Stötzer (Berliner Zeitung).
"Wann haben Sie das letzte Mal IMs, Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi also, nackt tanzen sehen? Noch nie? Dann sollten Sie unbedingt die Ausstellung der Künstlerin Gabriele Stötzer besuchen, die im Berliner Gropius Bau eröffnet hat", empfiehlt Julia Voss ziemlich unwiderstehlich in der FAS. Um einen Gag geht es bei den Nacktbildern nicht, sondern um schlichte Notwendigkeit: Denn Stötzer war "die längste Zeit eine Außenseiterin" im Kunstbetrieb. Nach der Zwangsexmatrikulation 1976 in Erfurt musste sie ein Jahr ins Gefängnis wegen "Staatsverleumdung". Zur Kunst fand sie dann als Autodidaktin, die im Untergrund arbeitete. "Um der staatlichen Überwachung zu entgehen, verabredete sich Stötzer mit Künstlerinnen und Freundinnen im Freien, in den Landschaften von Hüpstedt, einem Dorf in Thüringen. Die Aufnahmen, die dort entstanden, nannten sie 'Pleinairs', nach den französischen Impressionisten, die ihr Atelier gegen das Malen unter freiem Himmel getauscht hatten. ... Die Pleinairs wurden 'liquidiert', wie es im offiziellen Sprachgebrauch der DDR hieß. Sascha Anderson verriet die Gruppe." Auch Gunda Bartels empfiehlt die Ausstellung wärmstens im Tagesspiegel.
In den fünfziger und sechziger Jahren war der 1904 in Leipzig geborene Maler Hans Hartung weltberühmt. Da hatte er schon einiges hinter sich: Die Nazis hatten seine Werke als "entartet" abgestempelt, im Zweiten Weltkrieg verdingte sich der in Frankreich lebende Künstler aus Armut als Fremdenlegionär und verlor ein Bein. Doch ab 1948 ging es aufwärts, erzählt in der Welt Tilman Krause aus Anlass einer fantastischen Hartung-Retrospektive im Kunstmuseum von Schwäbisch-Gmünd: Das lag einmal an dem Sammlerpaar Domnick, das ihn in Paris entdeckte, und natürlich an Hartungs "Malerei der gestischen Wucht, die ihresgleichen suchte. Hartungs Bilder trugen keine Titel. Sie gaben den Zuschauern kaum Verständnishilfen an die Hand. Sie waren nach einem sachlichen System nummeriert und hießen beispielsweise 'T1945-1', will heißen 'tableau' (Bild) von 1945, das erste. Doch die Arbeiten waren so beschaffen, dass im Grunde jeder trotzdem verstand, worum es ging. Es ging um Gefühlsstau, um Verarbeitung von Traumata, ja um nichts Geringeres als die Bewältigung der jüngsten Vergangenheit. Nicht figürlich. Sondern durch Farbe und Form. Allüberall schwarz. Geballt, verknäult, gebündelt."
Besprochen werden auperdem die Ausstellung "The Lure of the Image" im C/O Berlin (FAS), die Tierplastiken Ewald Matarés im Hamburger Barlach-Haus (Mataré "ging es nicht um eine naturalistische Abbildung, sondern darum, durch Weglassen und Hervorheben von Merkmalen das zum Ausdruck zu bringen, was für ihn das Wesen der Tiere ausmachte. Und das wollte er nicht nur sichtbar, sondern auch im Wortsinn begreifbar machen: Auch ein Blinder sollte den Ausdruck der Figuren durch Tasten vollkommen erfassen können", schwärmt ein hingerissener Wolfgang Krischke in der FAS), die Zurbaran-Schau in der National Gallery in London (SZ) und eine Werkschau von Katharina Greve im Frankfurter Caricatura-Museum (Tsp).
Weitere Artikel: Der Germanist und ehemalige Intendant des Kunstmuseums Bonn Stephan Berg holt in der Welt recht weit aus, um festzustellen: Immersive Ausstellungen haben mit dem eigentlichen Werk der ausgestellten Künstler nicht mehr viel zu tun. Jette Wiese resümiert in der taz ein Podium über das Schicksal lesbischer Künstlerinnen in der DDR in der Berliner nGbK.
Der Düsseldorfer Künstler Jacques Tilly ist wegen Verunglimpfung der russischen Streitkräfte und Verletzung religiöser Gefühle von einem russischen Gericht in Abwesenheit zu acht Jahren und sechs Monaten Lagerhaft verurteilt worden: Er hatte Putin als Witzfigur auf einem Karnevalswagen dargestellt. Im Zeit-Gespräch mit Claudia Dammann reagiert er: "Es ist eine Farce, dass der Bau von Pappfiguren bestraft wird, als hätte ich ein Kapitalverbrechen begangen. Putin und sein Machtapparat haben offenbar Angst vor politischer Karnevalssatire, durch die sie kritisiert und lächerlich gemacht werden." Aktuell sei er vom Grundgesetz geschützt, aber: "Wenn sich die politische Situation in Deutschland entscheidend ändern sollte, kann es für mich gefährlich werden. Meine Reisefreiheit ist schon jetzt eingeschränkt: Ich kann innerhalb der EU reisen, jedoch nicht in Länder, die ein Auslieferungsabkommen mit Moskau haben. Und weil ich vorbestraft bin, kann meine Einreise in viele Länder schwierig bis unmöglich werden." Das Kunstmuseum Bonn wird Tilly ab November eine Ausstellung widmen.
Marilou Schultz Water, Tó, 2022. Gochman Family Collection Photo credit: Thatcher Keats" Seit vier Generationen webt die Familie der Navajo-Künstlerin Marilou Schultz, nun widmet das Hessel Museum of Art am Bard College (N.Y.) der Künstlerin, deren Arbeiten zum Beispiel auf der Documenta 14 zu sehen waren, eine erste Retrospektive. Auf artnewsstaunt Lua Vollaard einmal mehr über die Experimentierfreude der Künstlerin, die sich seit den Neunzigerjahren von Computerchips inspirieren ließ: "Anlässlich des Themas 'Weaving and Technology' der jährlichen Intel-Konferenz, die zur Feier des Erfolgs des Pentium-Chips von 1993 stattfand, wurde sie gebeten, ein Muster zu weben, das auf dem Mikrochip basierte. (…) Es erwies sich als schwieriger als erwartet. Schultz griff die 'Raised-Outline'-Technik auf, eine dreidimensionale Webmethode, die geometrischen Mustern ein geprägtes Aussehen verleiht, indem an der Schnittstelle zweier Farben eine erhabene Kante entsteht, wobei die Farben abwechselnd wie bei Eisenbahnschienen übereinandergelegt werden."
Weitere Artikel: Hanno Rauterberg besucht für den Aufmacher des Zeit-Feuilletons nicht nur den 28jährigen deutsch-französischen Künstler Jérémie Queyras, der das Merkel-Porträt für die Ahnengalerie der Kanzler malt, Rauterberg fragt auch bei Merkel nach, warum ihre Wahl auf Queyras fiel: "Ihr gefiel der Gedanke, nicht den Erwartungen zu gehorchen, keinen bekannten Namen zu engagieren. Ein Wagnis eingehen, warum denn nicht?"
Besprochen werden außerdem die Manifestea 16 Ruhr (SZ, mehr hier) und die Ausstellung "Produktive Unruhe. Kunst, Publikum und Alternativkultur im Spannungsfeld der IX. und X. Kunstausstellung der DDR in den 80er Jahren" in der Dresdner robotron-Kantine (taz).
Andreas Andersen, Interieur in Florenz mit Hendrik Andersen und John Briggs Potter, 1894. Museo Hendrik Andersen, Roma Eine gewisse Selbstverständlichkeit macht der Kunsthistoriker Gabriel Katzenstein (NZZ) in den Darstellungen von Homosexualität in den Jahren 1869 bis 1936 aus, die das Kunstmuseum Basel gerade zeigt: "Als Entdeckung kann das 1894 entstandene 'Interieur in Florenz mit Hendrik Andersen und John Briggs Potter' gelten. In der Schlafzimmerszene sitzt John bei Tagesanbruch auf der Bettkante und zieht sich die Socken an, während sein Freund Hendrik im Bett liegt und versonnen einem Kätzchen über das Fell streicht. Der Maler Andreas M. Andersen verzichtet dabei auf jede Maskierung und Idealisierung. In dieser intimen Genreszene erscheint das Beisammensein selbstverständlich. Zugleich sind die Personen namentlich bekannt. Der Künstler verschleiert nichts. Mit Édouard Manets 'Olympia' vergleichbar, verzichtet der Künstler auf jeden Deckmantel aus Bibel, Mythologie, Historie, Symbolismus oder Orientalismus."
Besprochen wird außerdem die Ausstellung der südkoreanischen Künstlerin siren eun young jung "resistant theatre" im Württembergischen Kunstverein Stuttgart (taz)
James Turrell "As Seen Below", 2026. Foto: Florian Holzherr Zehn Jahre Vorbereitung, vier Jahre Bauzeit, 40 Meter Durchmesser und 16 Meter Höhe - das sind die Eckdaten für den inzwischen hundertsten und bisher größten Skyspace, den der amerikanische Lichtkünstler James Turrell nun vor dem ARoS Museum im dänischen Aarhus aufgebaut hat, staunt ein überwältigter Tobi Müller bei Monopol: "Der offene Himmelsblick wird von einem tonnenschweren Deckel verschlossen - in der Regel einmal die Stunde für 20 Minuten. Dazu donnert die Mechanik leise, bis nur noch das Kunstlicht übrig bleibt. Fast unmerklich, aber dauernd ändern sich die Farben, 1100 Lichtquellen sind dazu im feinst abgestimmten Einsatz. Die monochromen Farben in zarten Verläufen setzen sich meistens stark ab von der Farbe des Deckelrundes. Der dritte Grund für den Eindruck der Größe: der radikal sakrale Raum, wiewohl entlastet von jeder Religion, wirkt wie ein Vermächtnis - umso mehr, wenn der 83-jährige James Turrell zu dieser wichtigen Eröffnung in Anwesenheit des dänischen Königspaars nicht anreisen konnte. Weil er zu krank ist."
Klein und verdorben fühlt sich der Mensch in dieser Ausstellung im Londoner Japan House an, stellt Charlotte Jansen (Guardian) mit Blick auf die Werke der japanischen Fotografen Kawada Kikuji und Iwane Ai fest. Kikujiis einst revolutionären Fotos aus Hiroshima sind Arbeiten der jüngeren Fotografin gegenübergestellt, die sich ebenfalls den Themen Umwelt und Verlust widmet. Etwa auf dem Rot und Blau leuchtenden Panorama-UV-Druck "Kīpuka: Paia Mantokuji Soto Mission" aus dem Jahr 2015: Dieser "zeigt Mitglieder der japanischen Gemeinschaft auf Hawaii bei der Aufführung traditioneller Bon-Tänze, einem buddhistischen Ritual zu Ehren der Ahnen, das seinen Ursprung in Fukushima hat. Das Bild umhüllt dich, strömt voller Hitze und Energie der Lava ... 'Kīpuka' ist der hawaiianische Begriff für eine Oase inmitten eines neuen Lavafeldes - ein Bild, das Zerstörung und Erneuerung miteinander verbindet. Die Bedrohung durch den Vulkan verbindet das Leben auf beiden Inseln. Wenn du zwischen all diesen in die Luft gereckten Händen hindurchgehst, befindest du dich mitten in einem Fest und einer Revolte, inmitten von Händen, die aus Protest und Resignation emporgestreckt sind und höhere Mächte um Gnade anrufen."
Weitere Artikel: Andreas Kilb berichtet in der FAZ von der zweijährigen Restaurierung von Filiippo Lippis "Anbetung im Walde" in der Berliner Gemäldegalerie. Besprochen wird außerdem die Manifesta 16 Ruhr (Welt, Monopol, mehr hier).
Zwischennutzungen sind "Berliner Erfindung", ist sich Laura Ewert in der taz sicher, besonders deutlich wird das gerade in der Schau "Freiraum Kunst. Akademie der Künste goes Bellevue" (unsere bisherigen Resümees) im Schloss Bellevue, das im Anschluss acht Jahre renoviert wird. Die dort gezeigte Kunst "lässt sich auch wunderbar benutzen, um zu beteuern, wie frei die Kunst doch ist, so frei, dass sich der Träger des höchsten Staatsamtes sogar eine Arbeit mit Sex-Bezug ins Haus holen darf, hossa! Und da ist die Kunstschau dann wirklich politisch: Schon der Titel, schon die Sparkassen-Werbung auf dem Dach - Freiraum Kunst - kann auch schmerzend zynisch gelesen werden. Ist die Kunst doch gerade nicht sehr frei, wenn Künstlerinnen oder Kuratorinnen wegen eines falschen Likes in den sozialen Medien in die Bredouille geraten, Filmfestivalleiterinnen wegen politischer Äußerungen von Regisseuren ihren Job verlieren sollen. Aber zurück zur guten Kunst, die hier in nur wenigen Wochen zusammen kuratiert wurde, dem Video von Jürgen Böttcher, das ins Treppenhaus projiziert wird, und das den Abriss der Mauer dokumentiert zum Beispiel. Das zeige, wie Veränderung gelingen kann, kommentierte der Kurator bei seiner Führung, und so viel Zuversicht stimmt zuversichtlich."
In der NZZ findet Len Sander die Kunst im Bellevue ziemlich beliebig - ein generelles Problem, wie sie findet: "Die künstlerische Zwischennutzung Bellevues ist so auch ein Abschiedsgruß des scheidenden Präsidenten. Dass sie sich in der großen Geste erschöpft, ähnelt Steinmeier und seiner Amtszeit mehr, als ihm lieb sein dürfte. Selbst die Begleittexte der Ausstellung erinnern an die Leerformeln bundespräsidentieller Reden, wenn es in ihnen etwa heißt: 'Jeder Mensch will gesehen und gehört werden. Jede Handlung ist ein existenzielles Ringen um Aufmerksamkeit.'"
Weiteres: Sophie Jung ist für die taz auf der Manifesta 16 Ruhr in vielen umgewidmeten Kirchen unterwegs. Ein gestohlenes Gemälde von Pablo Picasso ist bei einer Razzia in Frankreich wieder aufgetaucht, meldet die Zeit. Stefan Trinks schreibt den FAZ-Nachruf auf den Kurator und Kunsthistoriker Wulf Herzogenrath.
Zum Malen kam Winston Churchill erst mit vierzig Jahren, vor allem als therapeutisches Mittel gegen seine Depressionen. Sein impressionistischen Bilder wurden oft als amateurhaft belächelt, erinnert Gina Thomas auf den Bilder-und-Zeiten-Seiten der FAZ - zu Unrecht, wie sie nun in der Londoner Wallace Collection, die Churchill erstmals dezidiert als Maler würdigt, feststellen darf: "Die Kombination aus Begeisterung, Konzentration und unbegrenzter Lernbereitschaft, mit der Churchill sich der Malerei hingab, zeigt den Staatsmann von einer uncharakteristisch bescheidenen Seite. Bei aller Spontaneität der Pinselstriche nahm er sich Zeit bei der Wahl des Blickpunkts. In einem der großen Häuser, in denen er zu Gast war, veranlasste er die Gärtner, das Wasser in den Becken aufzuwirbeln, um das Lichtspiel auf der gekräuselten Oberfläche zu steigern, das ihn besonders reizte. Sonst eher gebieterisch im Wesen, behauptete Churchill in einer Betrachtung über Malerei als Zeitvertreib, sich auf keinem Gebiet demütiger und natürlicher zu fühlen."
Lisa Berins hat in der FR nichts dagegen, dass sich die Ausstellung "Grönland - Not For Sale - Kalaallit Nunaat Forever" im Frankfurter Kunstverein mit filmisch-dokumentarischen Arbeiten weniger künstlerisch als dezidiert politisch positioniert, steht Grönland doch gerade auf der "Bühne des weltpolitischen Geschehens". So geht es hier vor allem aber um die Kolonialisierung durch Dänemark, etwa in den Arbeiten von Julie Edel Hardenberg: "Sie spielen mit der Farbigkeit der grönländischen Flagge und Insignien der Kolonialmacht Dänemark. Das dunkle Haar der Inuit ist in rot-weißen Stoff eingenäht, dem entgegengestellt: das blonde Haar der Dänen, einem der vermeintlich glücklichsten Völker der Welt. 'I am so grateful that my colonizer is one of the nicest and happiest ones in the world - they are my role models!', schreibt Hardenberg bissig auf ein Plakat. Ihr umstrittenes Kunstprojekt: sechs Monate lang nur in der Sprache der Inuit, Kalaallisut, sprechen. Die verblüfften und hilflosen Reaktionen dokumentierte sie in einer Art Tagebuch."
Weitere Artikel: Astrid Kaminski schaut für die taz im Museum für kykladische Kunst in Athen vorbei, wo gerade eine von Jeff Koons' XL-Venusskulpturen prähistorischen Frauenfiguren gegenüber gestellt wird. Panagiotis Iossif, Akademischer Direktor des Museums, erklärt ihr im Gespräch unter anderem, weshalb 95 Prozent aller skulpturalen Fundstücke aus jener Zeit Frauenfiguren abbilden. Hans-Jörg Rheinberger erinnert auf de Bücher-und-Themen-Seiten der FAZ an Gaston Bachelard und die Künstlerbewegung Cobra im Nachkriegseuropa. Der Tagesspiegel meldet, dass der Kunsthistoriker Wulf Herzogenrath im Alter von 82 Jahren gestorben ist. Die NZZ widmet ihre heutige Ausgabe dem Walliser Künstler Valentin Carron, den Philipp Meier porträtiert.
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Mommy, why does everybody have a Bomb?" mit Arbeiten von Johannes Hepp und Lars Theuerkauff in der Berliner Galerie Tammen (Tsp), und die , die der FR-Kritikerin Lisa Berins alles zeigt, was man über Grönland wissen muss.
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