In Frankreich ist ein "
Kulturkampf" entbrannt, berichtet Martina Meister in der
Welt: Die Künstlerin
Claire Tabouret hatte einen Wettbewerb zur Neugestaltung der sechs farblosen
Grisaille-
Fenster von
Violett-
le-
Duc in Notre Dame gewonnen, der Kunstkritiker
Didier Rykner hatte eine Petition dagegen gestartet, die inzwischen mehr als 300.000 Unterschriften verzeichnet, auch Stefan Trinks kritisierte letztes Jahr in der
FAZ Tabourets Entwürfe (
unser Resümee). Meister beschwichtigt: Ja, dass die Fenster den Brand überstanden, ist ein Wunder, und doch seien Tabourets Neuentwürfe nicht schlecht. "Tabouret hat die sechs Pfingstszenen auf transparentem Plexiglas gemalt und dabei freien Pinselstrich und Schablonentechnik kombiniert. Für jedes Tableau sind
50 Miniszenen entstanden, die zu einem Fenster mit Rosette zusammengesetzt werden. Angefertigt werden die sechs Fenster von einem
Traditionsunternehmen in Reims, Simon-Marq, das 1640 gegründet wurde. Die sieben Meter hohen Modelle wirken, zugegeben, auf den ersten Blick befremdlich. Obwohl Maria nicht, wie so oft, in sich zusammengesunken dargestellt wird, und stattdessen die Arme wie eine
glückliche Influencerin gen Himmel reißt, hat sie doch etwas von der Melancholie von Tabourets Frauen- und Selbstporträts."
Vor allem zu Neujahr wurden im 18. und frühen 19. Jahrhundert
bewegliche Grußkarten verschenkt, die mitunter durch einen Mechanismus eine zunächst verborgene Ansicht offenbarten. Dass viele erhalten geblieben sind und nun im
Deutschen Romantikmuseum in Frankfurt gezeigt werden können, verdankt sich dem Sammler
Andreas Dietzel, freut sich Tilman Spreckelsen in der
FAZ, der hier eine längst vergangene Gesellschaft aufscheinen sieht. So loten einige Karten etwa "die
Grenzen des Sagbaren aus oder scheinen das zumindest in modernen Augen zu tun. Wenn etwa 1820 auf einer inhaltlich der Freundschaft gewidmeten Karte im zweiten Bild ein junger Jäger von einem zweiten umhalst wird, der
deutlich androgyne Züge trägt, dann nimmt die Karte damit ein Thema auf, das auch die Literatur der Zeit beschäftigt: das Spannungsfeld von Freundschaft und
Liebe zwischen jungen Männern, wie es etwa in den Romanen Hans Christian Andersens durchgespielt wird."
Besprochen werden die Ausstellung "
Rembrandt 1632. Entstehung einer Marke" im
Schloss Wilhelmshöhe in Hessen Kassel Heritage (
taz), die Ausstellung "
Corbijn,
Anton" in der
Berliner Fotografiska (
Tsp), die Ausstellung "Ein Bild findet Gnade" in der Berliner
Galerie Sexauer, in der der Künstler
Maximilian Prüfer Bilder aus der NS-Zeit zeigt, die er
mit Insekten neu gemalt hat (
Tsp) und die Ausstellung "Pulsions.
Jean Dubuffet, les dernières années (1974 -1985)" in der Pariser
Fondation Dubuffet (
FAZ).