Die Stadt Kars wurde als Schauplatz in Orhan Pamuks Roman "Schnee" berühmt: In der langen Geschichte der heutigen ostanatolischen Provinz war Kars mal osmanisch, dann russisch und heute türkisch, lesen wir bei Dekoder. Der russische Fotograf Max Sher geht der Geschichte von Kars in einem neuen Bildband fotografisch nach, Dekoderzeigt eine Auswahl von Bilder, wie dies oben: Es zeigt "einen Gedenkmarsch anlässlich des 95. Jahrestags der Schlacht von Sarıkamış in den Allahuekber-Bergen. Diese Schlacht zwischen osmanischen und russischen Truppen im Ersten Weltkrieg forderte zwischen Dezember 1914 und Januar 1915 auf beiden Seiten zehntausende Todesopfer. Sie begann mit einer Offensive unter der Führung des osmanischen Oberbefehlshabers Enver Paşa, der versuchte, das Gebiet um Kars von Russland zurückzuerobern. Die Aktion endete in einer verheerenden Niederlage der türkischen Armee - verursacht durch strategische Fehlentscheidungen, schlechte Kommunikation zwischen den Truppenteilen und fehlende Vorbereitung auf winterliche Kämpfe im Gebirge. Allein am 13. Dezember 1914 erfroren tausende türkische Soldaten bei dem Versuch, die Berge auf dem Weg zur russisch kontrollierten Grenzstadt Sarıkamış zu überqueren. Auf russischer Seite kämpften auch mehrere tausend armenische Freiwillige, was Enver Paşa dazu veranlasste, seine Niederlage allein ihnen zuzuschreiben. Historikern zufolge führte dies zu Deportationen und Massakern an osmanischen Armeniern - geplant und durchgeführt durch Enver Paşa und seine Verbündeten - und mündete schließlich im Völkermord an den Armeniern von 1915."
Auf Dekoderübersetzt Irina Bondas einen Text der belarussischen AutorinMariya Lappo ins Deutsche, der im Original 2014 in ihrem Erzählband "Kontinuum" erschien. Darin versucht die Autorin das gesellschaftliche Klima, noch vor dem großen Wahlbetrug am 9. August 2020, im Land der Kartoffeln (so die ironische Selbstbezeichnung der Belarusen) zu ergründen. Hier der Anfang: "Sollen doch muslimische Frauen in Paris in Burkas herumlaufen und ihre Gesichter dahinter verbergen, wir brauchen uns nicht in Burkas zu verstecken, schließlich haben wir wunderbare geräumige Kartoffelsäcke, die sich außerordentlich bequem über den Kopf ziehen lassen. Und während Burkas diejenigen, die sie tragen, kein bisschen glücklicher machen, bringen unsere Säcke ihren Besitzerinnen und Besitzern ausnahmslos Glückseligkeit. Nicht nur, weil es ein kultiger Modetrend ist oder Sie unabhängig vom Modell, keinen einzigen Rubel ausgeben müssen (findet sich doch in jedem Haushalt ein Kartoffelsack), sondern vor allem, weil ein Kartoffelsack wesentlich besser schützt als eine Burka. Lässt doch eine Burka die Augen frei, durch die alles Mögliche nach innen gelangen, direkt ins Herz fallen und es so aufwühlen kann, dass es sinkt..."
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