Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. In van der Heijdens polyphonem Roman Der Gerichtshof der Barmherzigkeit treffen im Amsterdam der siebziger Jahre alle literarischen Protagonisten aus dem großen Romanzyklus Die zahnlose Zeit aufeinander. Das ganze Land und seine größte Stadt sind im Umbruch. Und mitten drin betreiben Albert Egberts und seine Freunde ihr Leben als riskantes Experiment, mit dem sie, wie könnte es anders sein, scheitern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 09.07.2003
Der vorliegende Band eröffnet den Mittelteil von van der Heijdens großem siebenbändigen Romanzyklus "Die zahnlose Zeit", der damit nun endlich komplett vorliegt, wie Hermann Wallmann erleichtert aufseufzend erklärt. Wir befinden uns mitten in Albert Egberts Lehr- und Wanderjahren, die den Protagonisten wie einst den Autor nach Italien führen, erklärt der Rezensent. Und eine weitere biografische Parallele gebe es: van der Heijden hatte sein erstes Buch unter dem italienisch klingenden Pseudonym Canaponi veröffentlicht: Erst damit, führt Wallmann aus, hätte sich van der Heijden nach eigener Aussage zu schreiben getraut und vom "ruppigen Sprachhass" des niederländisch-protestantischen Milieus freimachen können. Im vorliegenden Band geht es um eine Abmachung, erklärt Wallmann, welche die Hauptfigur Egberts mit einem gewissen Canaponi trifft: Der eine kann schreiben, aber ihm fehlt der Stoff, der andere quillt vor Lebensstoff über, kann aber nicht schreiben. Wie dies nun günstigenfalls zusammentrifft, davon berichtet "Der Gerichtshof der Barmherzigkleit", ein Titel, erklärt Wallmann, der sich im übrigen auf eine Prozess gegen eine angebliche Elternmörderin bezieht.
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